Geschichte der deutschen Literatur
Die Weimarer Klassik (1786 -1832)
Der Ausdruck „Weimarer Klassik“ bezeichnete im Verständnis des 19. Jahrhunderts. Im engeren Sinn wird die Epoche nach Goethes erster Italienreise damit bezeichnet. Die „Weimarer Klassik“ dauerte etwa bis zum Goethes Tod im Jahr 1832. Im Gegensatz zum Barock und Rokoko, Stilformen treten in der Zeit der Klassik die Literatur und die Musik in den Vordergrund.
Eine große Rolle in dieser Bewegung spielte das klassische Kunstideal von Johann Joachim Winckelmann (1717 – 1768). Er gilt als Begründer der modernen Kunstgeschichte und als Wegbereiter der deutschen Klassik. Durch seine kunsttheoretische Schrift des Jahres 1755 ebnete er den Weg zum klassischen Kunstideal. Er sagte, dass der einzige Weg die Nachahmung der Antiken ist, wobei mit „Antike“ die Vertreter der griechischen und lateinischen Kultur gemeint werden. Nachahmung versteht aber Winckelmann nicht als ein steriles Imitieren des Äußeren klassischen Kunstwerke, sondern als Nachahmung des Geistes, der Art und Weise, wie die Alten ihre Werke schufen.
Die Ideen der Klassik wurden hauptsächlich von zwei Dichtern entwickelt und verbreitet: Johann Wolfgang Goethe (1749 – 1832) und Friedrich von Schiller (1759 – 1805). Das poetische Manifest von Schiller ist das Gedicht „Die Götter Griechenlands“ (1788), wobei „die Götter menschlicher und die Menschen göttlicher waren“.
Johann Wolfgang Goethe (1749 – 1832)
Johann Wolfgang Goethe wurde im Jahr 1749 in Frankfurt geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie. Er begann sein Studium der Jura in Leipzig, das er aber wegen einer schweren Krankheit unterbrach. Dann zog er nach Weimar, wo er im Staatsdienst arbeitete. Aber die entscheidende Wendung brachte die Reise nach Italien, die Goethe von September 1786 bis Mai 1788 unternahm und die Aufstellung des Reiseberichts von „Italienische Reise“ (1813 – 1817) ermöglichte. Er starb im Jahr 1832 in Weimar. Goethe war ein Dichter, Kritiker, Naturforscher, Jurist und Staatsmann. Er verfasste unzählige Gedichte, Dramen und Prosawerke.
Sein Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ machte ihn in Europa berühmt, dann wurde sein Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ ein Beispiel für die folgenden Bildungsromane und mit der Tragödie „Faust“ schuf er ein Menschheitsdrama von weltliterarischem Rang.
„Italienische Reise“ (1813 – 1817)
Die „Italienische Reise“ ist ein Reisebericht, in dem Goethe seinen Italienaufenthalt zwischen September 1786 und Mai 1788 beschreibt. Das zweiteilige Werk basiert auf seinen Reisetagebüchern und entstand jedoch wesentlich später, zwischen 1813 und 1817.
Goethes Reise war eine Flucht. Die Arbeit im Staatsdienst in Weimar hatte seine literarische Kreativität blockiert. Italien war schon seit der Kindheit sein Traum gewesen und er hoffte, dass eine solche Umgebung zu einer künstlerischen Wiedergeburt führen würde. Er bereitete diese Flucht im Geheimen vor, niemand sollte wissen. Am 3. September 1786 um 3 Uhr in der Nacht fuhr er ab. Er reiste von Karlsbad nach München, Brenner, Trient, dann weiter nach Verona, Vicenza, Padua, Venedig, Bologna, bis nach Rom, wo er vier Monate blieb. Dann fuhr er zusammen mit dem Maler Tischbein nach Neapel. Dort blieb er fast fünf Wochen lang und unternahm Exkursionen auf den gerade aktiven Vesuv und besichtigte Pompeji und Caserta. Dann segelte er mit dem Schiff nach Sizilien, wo er Palermo, Agrigent, Catania, Messina und Taormina besuchte. Sein Rückweg führte ihn erneut nach Rom. Hier bleibt er noch fast ein ganzes Jahr, besuchte die näheren Umgebungen und widmete sich an seinem Studium der Antike.
Der Fokus seiner Beschreibungen wechselt. Oft dominieren naturwissenschaftliche (vor allem mineralogische), aber auch meteorologische, geographische und botanische Beobachtungen. Einer der bemerkenswertesten Teile ist, der in dem Autor die Zündung der Vesuv beschreibt (p. 208).
Das Ziel der Reise ist der Dreiklang von Kunst – Menschen – Kultur. In diesem Werk drückte seine Liebe für Klassik aus. In Italien fand Goethe neue Vitalität und neue Impulse für den Geist und die Reise stellte doch ein deutliches heidnisches Erwachen dar, von dem er seine Ergebnisse auch für das Privatleben entnahm. In der Tat heiratete er Christiane Vulpius nach seiner Rückkehr.
Die Romantik (1797 – 1830)
Die Romantik wurde von den Ideen der Französischen Revolution beeinflusst: Universalismus, Kosmopolitismus und Pantheismus. Die Romantik teilt sich in Frühromantik und Spätromantik auf.
- Die erste Phase (Frühromantik) hat vor allem philosophischen Charakter. In der Tat sind die Hauptvertreter Philosophen: Fichte und Schelling; und auch die Dichter: August und Friedrich Schlegel, Novalis und Tieck.
- Die Dichter der zweiten Phase suchten eine Zuflucht in der Natur. Hauptvertreter dieser Phase sind: Chamisso, Eichendorff und die Brüder Grimm.
Adalbert von Chamisso (1781 – 1838)
Adalbert von Chamisso wurde im Jahr 1781 in Frankreich geboren und starb im Jahr 1838 in Berlin. Chamisso war ein Naturforscher und Dichter. Obwohl Französisch Chamissos Muttersprache war, gibt es viele bedeutsame Werke in der deutschen Sprache. Unter den Dichtern der Spätromantik führte er Elemente der Sozialkritik in Gedichten. Aber in vielen Gedichten distanziert er sich von der Romantik (z. B. die Sammlungen „Lieder und Balladen“, 1827; „Gedichte“, 1831). Und das ist auch wahr einigermaßen für sein berühmtestes Werk „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ (1814).
„Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ (1814)
„Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ ist eine Märchenerzählung des Dichters und Naturforschers Adalbert von Chamisso, verfasst im Sommer des Jahres 1813.
Nach einer anstrengenden Seereise lernt Peter Schlemihl den reichen Kaufmann Thomas John kennen, in dessen Garten er einen grauen Herrn trifft. Dieser bietet ihn, im Tausch gegen seinen Schatten, eine Säckel voller Gold, der nie versiegt und Peter akzeptiert. Schon bald muss er erkennen, dass die Schattenlosigkeit den Ausschluss aus der menschlichen Gesellschaft bedeutet. Sobald die Menschen merken, dass er keinen Schatten hat, bekommen sie Angst oder verspotten ihn. Also reist er über das Gebirge mit Hilfe seinem treuen Diener Belden, so wird seine Schattenlosigkeit nicht bemerkt.
Schließlich verliebt er sich in die schöne Mina, aber sein Geheimnis wird von seinem zweiten Diener Rascal verraten. Minas Vater erklärt ihm, dass nur wenn seinen Schatten zurückbekommt, darf er Mina heiraten. Da erscheint der graue Mann erneut. Peter fordert seinen Schatten zurück und der graue Mann offenbart seine wahre Natur: er ist der Teufel. Der Teufel bietet ihm, im Tausch gegen seine Seele, seinen Schatten zurück. Er verwirft und wirft schließlich die Säckel in einem Abgrund. Von seinem letzten Geld kauft er ein Paar alte Stiefel, die sich als die Siebenmeilenstiefel erweisen. Bis zum Ende der Erzählung lebt er einsam als Naturforscher.
„Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ entstand in der Epoche der Romantik, aber Chamisso distanziert sich von der Romantik. In der Tat liegt eine deutliche Gattungsvermischung vor: es ist eine Mischung zwischen Märchen und Novella, und es holt auch Elementen des Bildungsromans und des Briefromans auf. Dieses Werk markiert dann das Ende der Romantik. Es gibt keine fantastische Umgebung und außerdem keine Universalität, keine Unendlichkeit und keine Prozesshaftigkeit, die nach Friedrich Schlegel die Romantik bestimmen. Der Verlust des Schattens bedeutet Verlust der Identität in diesem Werk.
„Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ ist auch ein Briefroman und die Briefe werden an Chamisso gerichtet. Peter träumt von seinem Autor auch. In der Freudschen Begriffe ist Chamisso Peters Über-Ich. Die abschließende Berufung ist, dass man intakt bleiben muss, weil wir nichts ohne Schatten sind und man muss nie an Geld abgeben. Auch wichtig ist die Ironie, also wie die Phantastische in dem Alltag einbricht.
In „Peter Schlemihls“ findet man auch Kapitalismuskritik. Peter erreicht durch Geld eine Stellung in der Gesellschaft, die aber vertreibt ihn, weil er keinen Schatten hat. Chamisso tritt in diesem Werk sowohl als personaler, sowie als auktorialer Erzähler auf. Ein auktorialer Erzähler ist ein allwissender Erzähler; der Ich-Erzähler kennt die Dinge nur aus seiner Sicht, also ist es subjektiv.
Der Chamisso Preis
Der Chamisso Preis der Robert Bosch Stiftung wird seit 1985 verliehen. Der Literaturpreis zeichnet das deutschsprachige Werk von Autoren, die nichtdeutscher Spracherkunft sind, wie auch Adalbert von Chamisso war. Die Preisverleihung findet im Februar in München statt.
Biedermeier (1815 – 1848)
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigt die deutsche Geschichte ein deutliches Doppelgesicht:
- Einerseits, die Restauration mit der Wiederherstellung des „Ancien Regime“;
- Anderseits, die bürgerlichen Revolutionen von 1830 und 1848.
Sämtliche Illusionen der Befreiungskriege gegen Napoleon (1813-1815) zerbrachen im Jahr 1815 mit dem Wiener Kongress. Aus dem Kongress ging jene Wiederherstellung des vorrevolutionären Status quo hervor, die unter der Bezeichnung „Restauration“ bekannt ist. Dies bedeutete die politische Reorganisation der feudalkonservativen Kräfte und die Wiederherstellung der Selbständigkeit aller deutschen Fürsten. Das Resultat war ein geschwächtes, ungereimtes Deutsches Reich. Immer im Jahr 1815 haben Russland, Preußen und Österreich die „Heilige Allianz“ geschlossen. Sie wurde schnell zu einer Polizeianstalt mit strenger Macht. Sie übte eine sehr strenge Kontrolle über Politik und Kultur aus mit verstärkten Zensur und Einschränkung von Presse-und Gedankenfreiheit. Damit wurde radikal jede liberale Tendenz unterdrückt. Als Instrument der Repression erreichte die Heilige Allianz ihren Höhepunkt in der Person des österreichischen Staatskanzlers, Fürst Metternich (1773 – 1859), dessen einziger Zweck die politische Vorrangstellung Österreichs war.
Aus der politischen unterdrückenden Stimmung der Restaurationszeit entstand eine neue Lebens-und Denkart, die in erster Linie eine Reaktion auf die Verwirrungen der napoleonischen Zeit war. Als literarischer Epochenbegriff bezeichnet...
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