Einführung in Varietäten der deutschen Sprache
Es gibt keine einheitliche deutsche Sprache, sondern verschiedene Varietäten, die sich im Hinblick auf Thema (Fachsprachen) bzw. geografischen Anwendungsbereich (nationale Varietäten) unterscheiden. Wir bleiben immer im Bereich des Standards.
Arten von Varietäten
- Diatopische Varietäten (topos = Ort)
- Diamesische Varietäten (Mittel: mündlich vs. schriftlich)
- Diastratische Varietäten (soziokulturell/schichtspezifisch)
- Diaphasische Varietäten (kommunikative Situation und Funktion, Register, Stil)
Fachsprachen und Fachtexte
Es gibt zwei entgegengesetzte Tendenzen:
- Spezialisierung von Kenntnissen und Tätigkeiten fordert neue Termini (Wortschatzbereicherung) und Fachslang – neue Termini und ein neues Slang entstehen.
- Internationalisierung der sprachlichen Kommunikation in den verschiedenen menschlichen Tätigkeitsbereichen, aber vor allem in Geist und Wissenschaft (Kultur, Medizin), Handwerk und Technik (EDV, Recht), Institutionen (Politik, Verwaltung, E.U., U.N.O.).
Durch die Bedeutung im Alltag (z.B. Gebrauchsanweisungen) kommt es zu einer Popularisierung der Kenntnisse und Tätigkeiten und demzufolge zu einer Verbreitung der entsprechenden fachlichen Verständigung. Dazu braucht man Fachsprachen, die als Kommunikationsmittel in spezialisierten menschlichen Tätigkeitsbereichen gelten. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sie bei möglichst geringem sprachlichem Aufwand ein Höchstmaß an Information vermitteln. Entsprechend den verschiedenen Kommunikationsbereichen spricht man von verschiedenen und nicht von einer einzigen Fachsprache.
Der Gebrauch von Fachsprachen in verschiedenen Bereichen hat eigenständige und einander vergleichbare Züge, die eine übergreifende Betrachtung ermöglichen. Es gibt viele Ähnlichkeiten – strukturelle, lexikalische usw. Fachkenntnisse werden immer leichter über gemeinere Fachkenntnisse zu kommunizieren, auch wenn man zwei verschiedene Sprachen spricht. Dazu braucht man Fachsprachen, die als Kommunikationsmittel in spezialisierten menschlichen Tätigkeitsbereichen gelten.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Fachsprachen
In den verschiedenen Sprachen, die durch internationale Kommunikation verbunden werden, gibt es viele Gemeinsamkeiten, vor allem in der Lexik (Internationalismen, etwa Maus/mouse), aber auch in der Grammatik und auf der Stilebene. Daher kann man unter Umständen von fachlexikalischen, fachgrammatischen, fachtextuellen und fachkulturellen Äquivalenten sprechen. Es gibt aber auch wesentliche – irreführende – Unterschiede.
- Lexik: Faux amis (Kalium/caglio, Kalium = potassio) Unterschiedlicher Bedeutungsumfang bei semantisch oder phonetisch (oft auch etymologisch) verwandten Ausdrücken (spekulieren/speculare).
- Kulturspezifische Gegenstände und Sachverhalte (Rösti, Panettone) Historisch bedingte Unterschiede (Williams Beuren Syndrom vs. Beuten Syndrom in Deutschland und Williams Syndrom in der englischen Welt; Schillerkragen vs. colletto alla Robespierre).
- Sprachsystem-bedingte Unterschiede (Stillleben/natura morta) Gliederungsunterschiede von terminologischen Systemen (schweißen – löten/saldare – brasare).
Grammatik und Textstruktur
Paralleltexte/Corpora von Texte sind Texte, die dieselben Themen haben, aber nicht Übersetzungen sind.
- Grammatik: Deutsches Nominalgruppen (Tendenz zu synthetischen Einwortkonstruktionen) vs. Italienisch: Periphrasen (Tendenz zu analytischen Mehrwortkonstruktionen) (Arbeitsteilung/suddivisione del lavoro).
- Gesetzmäßigkeiten: Deutsch: Präsens / Englisch: Futuro.
- Fachphraseologische Unterschiede (Kollokationen) (Wurzel ziehen/estrarre la radice).
Die Unterschiede zwischen Fachsprache und Gemeinsprache sind nicht qualitativ, sondern quantitativ. Die Wörter werden egal gebildet, die Form und die Struktur ist dieselbe. Im Deutschen ist die Komposition sehr stark, im Italienischen die Derivation.
Merkmale der Fachkommunikation
Text/Kultur-Unterschiede makro- und mikrostruktureller Natur in fachübergreifenden und fachspezifischen Textsorten. Vorsicht: es geht hier nicht darum, Fachsprache zu erwerben (unmöglich!) oder Fachwörter zu erlernen (dazu gibt es Wörterbücher!), sondern darum, die Grundlagen und Erscheinungen fachlicher Kommunikation und Sprache zu vermitteln, um den Erwerb einer einzelsprachlichen Fachsprachenkompetenz zu ermöglichen.
Damit ist die Fähigkeit gemeint, Texte verschiedener Fachbereiche und Textsorten aufgrund der Kenntnis übergreifender fachsprachlicher Merkmale zu rezipieren und zu produzieren. Denn die Kenntnis der Verfahrensweisen fachsprachlicher Vermittlung ermöglicht den Zugang zu den Fachkenntnissen.
Merkmale der Fachkommunikation
- Schachtelsätze = lange Sätze
- Nominalstil
- Verbale Substantive
- Fachbegriffe im Bereich der Lexik
- Übersetzungen und Fremdwörter
- Wortbildungsverfahren z.B. Komposita
- Keine wertende Adjektive
- Wiederholungen = keine Synonyme, sondern Wiederholungen, die ein wichtiges Merkmal der Fachkommunikation sind.
- Symbol und typographische Merkmale
- Verschiedene Merkmale in der Fachkommunikation: Struktur (Einleitung, Abschnitte, wo das Thema verwickelt wird und eine Zusammenfassung), Syntax (Nebensätze), Morphologie (Passiv, Nominalstil), Wortbildungsverfahren.
Der Sender in der Fachkommunikation
Der Sender hat eine wichtige Rolle in der Fachkommunikation, ebenso wie der Empfänger. Wie können wir einen Text analysieren? Wo können wir Fachtexte finden?
Orte für Fachtexte
- Bibliotheken/Fachbibliotheken
- Fachzeitschriften
- Seiten im Internet
- Fachpublikationen
- Universitäten und Institutionen
Wann und wo Fachtexte entstanden
Im Mittelalter (Ptolemäus und Galileo)
Was wird kommuniziert?
Gegenstände und Sachverhalten: Worum geht es im Text? Welche sind die Gegenstände und Sachverhalte, die dargestellt werden?
Der Sender und die Rezipienten
Wer ist der Sender? Normalerweise ist der Sender eine Forschergruppe.
Für wen sind die Rezipienten? Experten (Expertenkommunikation) oder nicht-Experten (Laien) - von Experten zu Laienkommunikation.
Funktionen der Kommunikation
Ausdrucksfunktion ist nicht so präsent (la sua assenza è pur sempre un risultato). Appellfunktion: Wozu? Didaktisch, informieren, belehren, helfen und erklären, wie etwas funktioniert. (didaktische, deskriptive Texte)
Struktur und Präsentation eines Textes
Wie präsentiert sich der Text? Wie manifestiert sich in der Struktur? (Form, Struktur und Sprache) Erwartungen sind sehr wichtig.
Modelle der Fachkommunikation
1. Woche: Modelle fachlicher Kommunikation
Gliederung von Fachsprachen
Gliederung von Fachsprachen: (horizontale, vertikale Gliederung und Gliederung nach Textsorten)
Vertikale Gliederung: Abstraktion - Bühlers Modell und Funktionen.
Modelle der Fachsprache
Das systemlinguistische Inventarmodell (1950-70er Jahre) betrachtet Fachsprache als Systeme sprachlicher Zeichen, die eine fachliche Kommunikation ermöglichen. Auf der Grundlage einer varietäten-linguistischen Konzeption werden Fachsprachen als funktionale Varietäten einer Einzelsprache betrachtet. Hierbei spielen funktionale Aspekte eine wesentliche Rolle. Den primären Gegenstand der Untersuchungen bilden vor allem das lexikalische Inventar und die syntaktischen Regeln.
System Saussure, Strukturalismus. Erkennen, Klassifizieren. Syntax, Morphologie. Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang die Frage, ob es eine oder mehrere Fachsprachen gibt, sowie die Abgrenzung der Fachsprache von der Gemeinsprache. Diese Abgrenzung ist äußerst problematisch: Es ist besser, innersprachliche Merkmale zu bestimmen, die für funktionale Bedingungen sorgen. Diese Merkmale erscheinen in unterschiedlichen fachlichen und nichtfachlichen Varietäten und sind ein Indikator für den Grad an Fachlichkeit dieser Varietäten.
Wortbildung, Phraseologismen (zwischen Lexik und Syntax). Konstitution, Derivation. Das Passiv ist auf Deutsch normal, sondern auf Italienisch existiert es grammatikalisch, aber er ist normalerweise nicht gebraucht. Die Tendenz der Fachsprache ist die Quantitative Verwendung des Genitivs, das normalerweise auf Deutsch nicht so viel gebraucht wird.
Das pragmalinguistische Kontextmodell (1980-90) betrachtet Fachsprachen als Textäußerungen, mit denen fachliche Kommunikation vollzogen wird sowie als das Ergebnis der fachlichen Kommunikation. Es richtet seine Aufmerksamkeit auf den Fachtext, den ko- und kontextuellen Zusammenhang sowie die kommunikativen Verhältnisse der Textproduktion und -rezeption. Dabei rücken neben Lexik und Syntax auch die Bedingungen, unter denen die fachsprachlichen Äußerungen vorgenommen werden ins Zentrum des Forschungsinteresses. Neben funktionalen Aspekten spielen auch psychologische Aspekte eine wesentliche Rolle. Die Fachsprachenforschung wird auch durch die Berücksichtigung intellektueller Fähigkeiten gekennzeichnet, etwa Motivation und Intention bei der Fachkommunikation.
Pragmalinguistik: How to do things with words. Den theoretischen Hintergrund bilden pragmalinguistische und textwissenschaftliche Fragestellungen – dieses Kommunikationsmodell ist durch große Interdisziplinarität gekennzeichnet, d.h. durch die Integration verschiedener interdisziplinäre Forschungsansätze (Soziologie, Psychologie, Pragmatik, Semiotik, Kommunikationswissenschaft, Statistik, Terminologielehre). Beim kognitionslinguistischen Funktionsmodell bilden die kognitiven Anlagen des Menschen den Ausgangspunkt der linguistischen Betrachtung. Dieses Modell richtet das Augenmerk auf den Produzenten und den Rezipienten der fachsprachlichen Kommunikation und insbesondere auf ihre intellektuellen und emotionalen Voraussetzungen beim Gebrauch fachsprachlicher Zeichen in fachsprachlichen Texten.
Die wissenschaftliche Basis stellt die kognitive Linguistik, vor allem die Studien über die linguistischen Aspekte der Sprachverarbeitung dar. Die Darstellungsfunktion der Fachsprache wird um ausdrucks- und appellfunktionale Aspekte bereichert. 1957. Chomsky. Linguistica cognitiva (sviluppo della psicologia).
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Testi Latino
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Presentazione per esame - Testi Specialistici della Lingua Tedesca
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Testi specialistici della lingua inglese
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Lezioni, Testi specialistici della lingua spagnola