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Die Literaturkonzeption der Autoren ist von 1848 bis 1890 nirgends als zusammenhängende Theorie formuliert worden. Sie wird in einer Vielzahl unterschiedlicher Rezensionen greifbar, dank der Texte, die die Literatur als zeitgenössische Wirklichkeit in ihren wesentlichen Eigenschaften und Entwicklungszügen darstellt. Hegel hat in seiner Methode der Literatur die Fähigkeit abgesprochen, die moderne Welt noch angemessen erfassen zu können. Hinter dieser pessimistischen Beurteilung der Erkenntnischancen von Literatur stand die Erfahrung einer veränderten Lebenswirklichkeit, welche die literarische Welterschließung zu überfordern schien. In Hegels Zeit stellte die Literatur in einem eigenen Modus die soziale Lebenswelt dar. Sie war aber in zunehmendem Maß von Arbeitsteilung und funktionaler Differenzierung charakterisiert, die das einzelne Individuum nur mehr als Autom in Erscheinung treten ließ und die Idee einer einheitlichen soziale Wirklichkeit, mit autonomen Subjekten, als Illusion zurückwies:„In unserem gegenwärtigen Weltzustand kann das Subjekt nach dieser oder jener Seite aus sich selber heraus handeln, aber jeder Einzelne gehört, egal, was er tut, einer bestehenden Ordnung der Gesellschaft an und erscheint nur als ein beschränktes Glied derselben“. Die Erfassung dieser Struktur des prosaischen Weltzustands ist Sache der philosophischen Reflexion und nicht Sache der Literatur. So formulierte Hegel in dem Begriff des Realismus die Erkenntnisfunktion literarischer Welterfassung als These vom „Ende der Kunst“. Die literarischen Diskussionen der Vormärz-Zeit kennzeichneten die Einsicht Hegels, postulierten einen Funktionswandel der Literatur und erkannten ihr einen operativen Wert zu. Soweit sie am klassischen Literaturbegriff noch festhielten,bestritten die Schriftsteller der Vormärz-Zeit die Möglichkeit von Literatur in der Gegenwart und sahen in einer veränderten Zukunft eine neue Literatur, eine Position, die Georg Gervinus am meisten vertreten hat . Der Grundzug der Spannungen zwischen dem politischen Realismus und Klassizismus im „Nachmärz 1853“ lag in dem endmoralisierten und funktionalen Politikkonzept .

Es ist bemerkenswert, dass sich das Schlagwort „Realismus“ in der politischen Theorie und der literarischen Programmatik gleichzeitig durchgesetzt hat. Theodor Fontane z.B. hat zu Beginn seiner berühmt gewordene Charakteristik des literarischen Realismus (1852-1853) auf die gewandelte Haltung der Politiker hingewiesen, die ihre Vortrefflichkeitsschablonen zu Gunsten der wirklichen Bedürfnisse preisgegeben haben .Es ist nicht verwunderlich, dass die Literaturgeschichtsschreibung einen Zusammenhang zwischen dem literarischen und politischen Realismus herstellte. Die vergleichbare Position von Politikern und Wortführern des literarischen Realismus gegen die Phrasen und die weltfremden Ideale der vormärzlichen Politik und Literatur treten für Wirklichkeitssinn und Weltgewandtheitein. Die Literaturtheorie des bürgerlichen Realismus kann als der Versuch bezeichnet werden, die alten Werke vor der Erfahrung des modernen Literaturbegriffs zu retten, denn der Literatur wurde die Aufgabe zugemutet, die Möglichkeit einer harmonischen wiedererkennbaren Ordnung in der Realität zu vergegenwärtigen. Literatur sollte das im Weltstoff verborgen liegende Ideal darstellen. So wurde den Künstlern die Fähigkeit zugesprochen, in der Gestalt des Werkes, das Wesen des präsentierten Weltausschnitts in anschaulicher Weise zur Geltung zu bringen . Der Realismusbegriff war durch die ästhetische Tradition belastet, die an den Grundpositionen der klassischen Kunst und Literaturkonzeption festhielt. Seit seiner Erfindung im Kontext literarischer Diskussionen haftete dem Begriff das Odium des Platten und Banalen, des Kunstfremden an. Schiller z.B. meinte im Jahre 1798 in einem Brief an Goethe, dass die Franzosen bessere Realisten als die Deutschen seien, dass jedoch dieser Realismus keine Dichter aus ihnen machen könne. Der Realismusbegriff selbst wurde zur Charakterisierung des eigenen Programms nur zögernd und unter Verwendung relativierender Attribute wie gesund, poetisch, wahr oder echt, gebraucht. Theodor Fontane , der sich in gewisser Hinsicht am eindeutigsten zum Realismus bekannte, kam nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass Realismus keineswegs mit der nackten Wiedergabe alltäglichen Lebens zusammenfalle, sondern dessen Läuterung anstrebe.
Der Literaturbegriff, so wie auch die Kritik von „Naturalismus“ und „Idealismus“ lässt deutlich werden, dass der bürgerliche Realismus gegenüber der kulturrevolutionären Diskursintegration der Vormärz-Zeit, der operativen und funktionellen Integrationen nun wieder entschieden die Autonomie der Literatur und eine entsprechende Beachtung ihrer Systemgrenzen gegenüber journalistischen oder wissenschaftlichen Diskursen hervorhob . In dieser Hinsicht erneuerte der bürgerliche Realismus die Ausdifferenzierung der Literatur als autonomes soziales Subsystem, das seine Umwelt nur nach spezifischen Kriterien repräsentieren kann. Der Vorrang der narrativen Genres im bürgerlichen Realismus ist auffällig und unbestritten, so dass man Realismus und Erzählliteratur gleichsetzen kann. „Drama“ und „Lyrik“ spielten sowohl in der literarischen Produktion als auch in den theoretischen Debatten keine bedeutende Rolle. Die Dissonanz zwischen ästhetischem Rang und faktischem Niedergang des Dramas wurde in der Diskussion des bürgerlichen Realismus erklärt für die Profilierung dramatischer Charakteren und dramatischer Handlungen. Grundzüge des realistischen Kulturprogramms finden sich vor allem in der kritischen Auseinandersetzung mit der Vormärz-Dramatik.
Die programmatische Einstellung des bürgerlichen Realismus musste in Erzählungen ihr eigentliches Medium finden. Besonders der Roman schien dazu geeignet, die Vielfältigkeit der modernen Lebenswirklichkeit zu präsentieren, da seine Formprinzipe elastischer und variierbarer als die strengere Form des Dramas erschien. Doch die Nobilitierung des Romans , die mit einer Verengung seiner Themen und Gestaltungsmöglichkeiten einherging, hatte eine Parallele in der hohen Bewertung der „Novelle“ . Noch entschiedener als dem Roman wurde die dramatische Eigenart dieses Erzählungstyps bevorzugt, die sich aus ihrer konzentrierten Struktur, nur das wesentlich Erzählende, ergibt. Die Novelle behandelt die grundlegendsten Probleme des Menschenlebens und stellt somit auch die höchsten Kunstforderungen. Gegenüber dem Roman lag der Vorzug der Novelle für die realistische Literaturkonzeption in der Ausschnitthaftigkeit des erzählten Geschehens. Die Betonung des strikten Formgesetzes des Romans und der Novelle galt als Garant der Möglichkeit, die moderne Welt in sinnhaft nachvollziehbarer Ordnung und Notwendigkeit zu entwickeln. Sie markierte die Autonomie der Literatur gegenüber anderen Arten der Realitätserfassung . Die Programmatik des bürgerlichen Realismus führte an die Grenzen der Leistungsfähigkeit des klassischen Literaturbegriffs und seiner tragenden Voraussetzungen.
Der Realismus nimmt die wirkliche Erscheinungswelt als Stoff und Masse, als das Erste und Ursprüngliche an und erklärt daraus die Ideale nach den Grundsätzen: Reale Prius, ideale Posterus . Dieses System erschien bereitsim Mittelalter. In ästhetischer Beziehung stellt der Realismus dieNachahmung der Natur als das Prinzip der Kunst dar.Der Realist an sich nimmt die äußerlichen Dinge als das Ursprüngliche und das Ideale und als das Übliche an. Die Kunst durchläuft alle Stufen vom instinktiven Ausdruck der Lebensfreude und dem unbewusst ausgeübten Schöpfungsdrange bis zum Suchen des Ideals. Das Ideal ist also das Ziel, aber es soll nicht vergessen werden, dass ein schlechtes Ideal sehr abgeschmackt sein kann, während ein schöner Ausdruck die ästhetische Freude vielleicht wunderbar entzückt. Die realistische Betrachtungsweise der Welt des Schönen rechtfertigt sich gegenüber dem Idealismus durch den Mangel der Objektivität der Methode. In der literarischen Entwicklung die wir betrachten, scheint sich eine Revolution vorzubereiten, die mit dem Prinzip des Absterbens der vorherigen Periode bricht. Diese Periode, die sich in Deutschland an Schelling , Fichte und Raabe anlehnt, kann als Mittelpunkt der romantischen Ideologie bezeichnet werden. Die Prosa und die Poesie, die vorher exklusiv waren, streben jetzt nach Volkstümlichkeit. Seit den großen Erfolgen der Dorfgeschichten spricht man auch in Deutschland von einer realistischen Schule. Wenn man früher von einem Dichter verlangte er solle objektiv sein, meinte man damit, er solle sich mit seiner Person nicht vordrängen, sondern bei der Sache bleiben; er solle seine Ereignisse aus sich selber heraus darstellen, so dass sie auf eigenen Füßen stehen.
Bei den neuen Romanen handelte es sich um die äußere Wahrheit und um die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Laut Theodor Fontane gibt es Leute in Deutschland, die mit den letzten goetheschen Papierschnitzeln die deutsche Literatur für abgeschlossen erklären. Kennt man sie näher, teilen sie im Vertrauen mit, dass sie eine neue Literatur für unwahrscheinlich halten, nach dem Lied: „Die goldenen Zeiten sind immer schon vergangene gewesen“. Das, was diese Zeit in alle Richtungen charakterisiert, ist der Realismus. Der Realismus fand in der Kunst nicht nur ein entschiedenes Echo, sondern äußerte sich auf keinem Gebiet unseres Lebens so offenbar wie in ihr selbst. Die bildende Kunst ging mit gutem Beispiel voran. Der Realismus in der Kunst ist so alt wie die Kunst selbst. Das Motto des Realismus ist der goethesche Zuruf: Greif nur hin ins volle Menschenleben, wo du es packst, da ist es interessant,aber freilich, die Hand, die diesen Griff tut, muss eine künstlerische sein.Der Realismus will nur die bloße Sinneswelt und nichts anderes als diese. Er schließt nichts aus als die Lüge, das Nebelhafte und das Abgestorbene; drei Dinge, mit denen eine ganze Literaturepoche bezeichnet wurde. Karl Gutzkow meint, dass der Roman im Realismus eine neue Phase erlebt, da der Roman früher die nacheinander kunstvoll verschlungene Begebenheit darstellte. In der romantischen Dichtung herrscht die Vorliebe für literarische Mischformen. Die Nacht, Ort des Schlafes und des Traumes, hat eine neue positive Rolle. Die ersehnte Ursprünglichkeit liegt im Stadium der Kindheit. Die „Romantiker“ bezeichnen das Kind als ein vollkommenes Wesen und sehen die Kindheit als die „schöne Zeit“. Die Schriftsteller dieser Periode suchen Zuflucht in der Natur, da sie eine beseelte Welt ist, in der phantastische Wesen, Menschen und Tiere miteinander leben und sprechen können.
Ein wichtiges Merkmal dieser Stilrichtung ist die „Sehnsucht“ nach der räumlichen, zeitlichen und inneren Unendlichkeit. Die Sprache hat eine Tendenz zur Melodie und zum Klang. Oft wird die Volkssprache so wie auch rhetorische Figuren benutzt. Der Orient und Italien werden als Traumorte bezeichnet. Die Romantik teilt sich in zwei Phasen: Die ältere Phase (Frühromantik) von 1795 bis 1804 findet ihren Ursprung in Jena.Die jüngere Phase (Spätromantik) von 1805 bis 1830 hat ihr Zentrum in Heidelberg und Dresden Der Romantizismus entwickelte sich fast gleichzeitig mit dem „Sturm und Drang“, der als Reaktion auf den Absolutismus der Aufklärung entstand. Sie dauerte nur etwa von 1765 bis 1785. Die Tendenzen, die bereits in der Lyrik des Pietismus vorhanden waren, werden im „Sturm und Drang“ radikalisiert. Die Stürmer und Dränger bevorzugten die Natur, die Freiheit und das Genie. Sie kämpften gegen jede soziale Ordnung, politische Macht und feste Regeln. Ihr Ziel war uneingeschränkte Freiheit auf jedem Gebiet. Sie sahen das Genie als die höchste Form jeder individuellen Freiheit, da es sich selbst seine Gesetze gibt und Trost nur in der Natur und der Kunst sucht. Die Lyrik und das Drama waren die Lieblingsgattungen, beliebte Motive waren Tyrannenhass, Mord, Friedhöfe und natürlich die Natur, die als Ursprung aller Dinge gesehen wurde. Das Mittel zur Romantisierung der Wirklichkeit ist die Phantasie, da mit ihrer Hilfe der Dichter alle Gegenstände als Traum sieht und darum liebt der Romantiker besonders die Nacht und die Einsamkeit. Ein Beispiel hierfür haben wir in „Hymnen an die Nacht“ von Novalis , in der der Tod als Rettung gesehen wird, also nicht als Ende, sondern als ewiges Leben.
Der Schlaf der Nacht ist bei Novalis nicht die Zeit der Hilflosigkeit und des Wartens, sondern der wunderbare Traum. Hiermit unterscheiden sich Novalis Bilder von den traditionellen. In Novalis hat die Nacht die Bedeutung mit der Wiedervereinigung der Geliebten. Wenn man die Hymnen richtig liest, kann die Nacht auch für den Tod stehen, aber nur, wenn diese als notwendiges Übergangstor des Jenseits verstanden wird. Hiermit versteht man auch, dass es keine realistische Anschauung ist, sondern eine metaphysische Wahrnehmung der Nacht, die letzten Endes die Unsterblichkeit der Seele und die Unendlichkeit des Individuums sichert. Novalis vergleicht die Nacht mit dem Tod,damit der Nacht der Tag endet und so bedeutet der Tod das Ende des Lebens, das doch im Jenseits weitergeht. Der Roman war die beliebteste Gattung der Romantik, weil er als universelles Mischgedicht betrachtet werden konnte, da er alle Formen der Poesie zusammenfasste. In den Romanen konnten auch oft Märchen, Lieder oder theoretische Gespräche eingestreut werden. Das Ziel war nicht die Darstellung der wirklichen Welt, sondern deren Verklärung als Wunschbild des Dichters. Die meisten romantischen Romane erschienen als Gegenstücke zu ihrem klassischen Vorbild. Das Märchen ist die geeignetste Form, Ich und Natur in einem idealen goldenen Zeitalter wieder aufleben zu lassen und den Übergang von der Welt der Magie und des Träumens zu ermöglichen. Volksmärchen sind Kurzerzählungen mit wunderbaren Inhalten unbekannter Verfasser.
Zeit und Ort sind immer unbestimmt, die Protagonisten sind nicht charakterisiert. Das Handlungsschema ist fast immer dasselbe: Der Held muss bestimmte Aufgaben lösen, er findet Hindernisse auf seinem Weg, die er dank übernatürlicher Mächte besiegt und dadurch mit einem Preis belohnt wird. Im Volksmärchen sehen die Romantiker den Ausdruck der Volksseele verwirklicht. Im Gegensatz zum Volksmärchen ist das Kunstmärchen nicht das Produkt des Volkes, sondern eines einzelnen Autors. Es schwebt zwischen Bewussten und Unbewusstem und analysiert psychologisch die Protagonisten. Im Kunstmärchen gibt es Grausamkeit und der Autor greift oft im Text ein. Die Romantiker stellen eine höhere poetische Welt gegenüber, in deren Mittelpunktnicht der Bürger, sondern der Mensch stand, der ein harmonischeres Verhältnis zur Natur erstrebte.

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