Konjugation
Die Konjugation beschreibt die Veränderung in der Person, im Numerus, Genus (also die 4 Fälle des Deutschen), Tempus und Modus. Generell spricht man von flektierbaren Wörtern, das bezeichnet alle Wörter, die veränderbar sind. Darunter sind Verben zu finden, Substantive, Pronomen und Adjektive. Dabei ist wichtig, dass nur Verben konjugiert werden! Denn konjugierbare Wörter verfügen nicht über die Kategorie des Kasus (wie deklinierbare Wörter). Deklinierbare Wörter sind also alle flektierbaren Wörter, die keine Verben sind. Adverbien oder Partikel dagegen zählen nicht zur Gruppe der flektierbaren Wörter. So kann man also zwischen Wörtern zunächst unter morphologischen Gesichtspunkten zwischen flektierbaren und nicht flektierbaren Wörtern unterscheiden. Innerhalb der Gruppe der flektierbaren Wörter kann man noch einmal zwischen konjugierbaren und deklinierbaren Wörtern unterscheiden.
Tabelle der Konjugation
Wir betrachten die Tabelle der Konjugation:
Betrachten wir nun die Tabelle der Konjugation im Präteritum. Das Verb sehen ist ein unregelmäßiges Verb und hat deshalb im Präteritum in der 1. und 3. Person keine Endung.
Tempora
Betrachten wir nun kurz die weiteren Tempora [der korrekte Plural sollte im Deutschen eigentlich Tempi sein]. Dabei sind nur noch die ersten beiden Personen vorgestellt. Die Bildung der Konjugation erfolgt in diesen Tempi im Deutschen mit Hilfsverben (haben/sein):
- Perfekt:
- Indikativ Aktiv: ich habe gesehen, du hast gesehen, ...
- Konjunktiv Aktiv: ich habe gesehen, du habest gesehen, ...
- Indikativ Passiv: ich bin gesehen worden, du bist gesehen worden, ...
- Konjunktiv Passiv: ich sei gesehen worden, du sei(e)st gesehen worden, ...
- Plusquamperfekt:
- Indikativ Aktiv: ich hatte gesehen, du hattest gesehen, ...
- Konjunktiv Aktiv: ich hätte gesehen, du hättest gesehen, ...
- Indikativ Passiv: ich war gesehen worden, du warst gesehen worden, ...
- Konjunktiv Passiv: ich wäre gesehen worden, du wär(e)st gesehen worden, ...
- Futur I:
- Indikativ Aktiv: ich werde sehen, du wirst sehen, ...
- Konjunktiv Aktiv: ich werde sehen, du werdest sehen, ...
- Indikativ Passiv: ich werde gesehen werden, du wirst gesehen werden, ...
- Konjunktiv Passiv: ich werde gesehen werden, du werdest gesehen werden, ...
- Futur II:
- Indikativ Aktiv: ich werde gesehen haben, du wirst gesehen haben, ...
- Konjunktiv Aktiv: ich werde gesehen haben, du werdest gesehen haben, ...
- Ind. Passiv: ich werde gesehen worden sein, du wirst gesehen worden sein, ...
- Konj. Pass.: ich werde gesehen worden sein, du werdest gesehen worden sein, ...
Man sieht, dass dieses Futur II vor allem im Passiv eine sehr komplizierte Form ist, weil es eben aus ganzen vier Verben besteht. Allerdings kommt diese Form im Alltagsgebrauch relativ selten vor.
Formenbildung
Präsens: Selbst unregelmäßige Verben treten im Präsens relativ regelmäßig auf. Das Präsens wird einfach durch das Anhängen der Personalendungen -e, -st, -t, -en, -t, -en an den Verbstamm gebildet.
- In der 2. und 3. Pers. Sing. und der 2. Pers. Pl. fügt man ein -e zwischen Stamm und Personalendung, wenn der Stamm auf -d oder -t endet, z.B. Du badest, er badet, ihr badet. Dieses Einfügen erscheint logisch, weil das Wort phonetisch anders gar nicht ausdrückbar wäre (Beispiel ohne -e du badst – ist nicht sprechbar).
- In der 2. Pers Sg. fällt das -s weg, wenn der Stamm auf -s, -ß, -z, -x endet, z.B. Du tanzt, du heißt, ... Das sind alle kleine Änderungen, die die Personaländerungen im Präsens haben.
Präteritum: Im Präteritum fällt die Unregelmäßigkeit von unregelmäßigen Verben schon viel stärker auf (Beispiel: sehen – ich sah...), denn hier ändert sich nun der Stammvokal. Das Präteritum ist so wie das Präsens eine nicht zusammengesetzte Form, also eine simple Form.
- Bei regelmäßigen Verben: Einfügen eines -t zwischen Stamm und Personalendung (Beispiel: ich lerne – ich lernte). Dabei ist die Form der 1. Pers. Sg. und der 3. Pers. Sg immer identisch.
- Bei unregelmäßigen Verben: Änderung des Stammvokals. Hier ist bei der 1. Pers. Sg. und der 3. Pers. Sg. gar keine Endung vorhanden. (Beispiel: ich sah - er sah). Dennoch sind auch hier beide Formen wieder identisch.
Die weiteren Tempora des Deutschen sind zusammengesetzte Formen. D.h. Diese Formen werden mit den Hilfsverben haben, sein oder werden gebildet.
- Perfekt: Präsens von haben oder sein + Partizip Perfekt
- Plusquamperfekt: Präteritum von haben oder sein + Partizip Perfekt
- Futur I: Präsens von werden + Infinitiv I
- Futur II: Präsens von werden + Infinitiv II (der Infinitiv II ist der Infinitiv Perfekt
Das Deutsche verfügt also über die sechs Tempora Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I und Futur II. Das Deutsche verfügt also z.B. über weniger Vergangenheitsformen wie das Italienische oder auch das Englische.
Kategorien der Formenbildung der Konjugation
Kategorie der Person: Es gibt im Deutschen 3 Personen.
- Sie ist in jeder konjugierten Form des Verbs enthalten
- 1. Person: die sprechende Person ICH / WIR
- 2. Person: die angesprochene Person DU / IHR
- 3. Person: die besprochene Person ER, SIE, ES / SIE
In der 3. Person kann man über Personen und Nicht-Personen sprechen. In der 1. und 2. Person sind immer natürliche Personen gemeint, manchmal kann es auch ein Tier sein.
Kategorie des Numerus: Das ist also die Unterscheidung zwischen Singular und Plural.
Klassifizierung der Verben nach morphologischen Kriterien
Zunächst einmal muss man zwischen finiten und infiniten Verbformen unterscheiden.
- Die finiten Verbformen drücken sich in Form von 5 Kategorien aus:
- die 3 Personen
- die 2 Numeri
- die 6 Tempora (Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur I, Futur II)
- die 3 Genera (Aktiv, Vorgangspassiv, Zustandspassiv - diese Begriffe werden dann in einer weiteren Lektion ausführlicher erläutert)
- die 3 Modi (Indikativ, Konjunktiv, Imperativ – auch hierum wird es noch einmal in einer späteren Lektion gehen)
- Daneben gibt es die infiniten Verbformen, die nicht personengebunden sind und nicht konjugiert werden. (Infinitiv, Partizip)
Man unterscheidet je nach Art der Flexion zwischen regelmäßigen und unregelmäßigen Verben.
- Regelmäßige Verben bilden das
- Präteritum mithilfe des Suffixes –te
- Partizip II mithilfe des Suffixes -t oder –et und
- es gibt keine Änderung des Stammvokals.
- Unregelmäßige Verben bilden das
- Präteritum ohne Suffix,
- Partizip II mithilfe des Suffixes –en und
- es gibt (im Präteritum immer, im Partizip II meistens) eine Änderung des Stammvokals.
Einige regelmäßige Verben allerdings haben Besonderheiten:
- Einige Verben ändern im Präteritum und Partizip II ihren Stammvokal, haben aber regelmäßige Endungen; man nennt sie Mischverben: brennen – brannte – gebrannt, kennen – kannte – gekannt, bringen – brachte – gebracht, denken – dachte – gedacht; Diese Verben werden weiterhin als regelmäßige Verben betrachtet. Die Änderung des Stammvokales hat sprachgeschichtliche Gründe.
- Modalverben: Hier gibt es einen Vokalwechsel zwischen dem Singular und dem Plural.