Otto von Bismarck und die Reichsproklamation

Preuβen ist der mächtigste Staat in Deutschland. 1861 wird Wilhelm I. König von Preuβen und 1862 wird Otto von Bismarck preuβischer Ministerpräsident. Sein Handeln ist daran orientiert, Deutschland zur Einheit zu führen. Unter Bismarcks Regierung werden 3 erfolgsreiche Kriege geführt: gegen Dänemark (1864), gegen Österreich (1866), gegen Frankreich (1870-1871). 1871 kommt es in Versailles zur Reichsproklamation. Der preuβische König Wilhelm 1. wird zum deutschen Kaiser gewählt und Otto von Bismarck wird Reichskanzler. Deutschland ist jetzt eine Groβmacht mit 41 Millionen Einwohnern. Die Innenpolitik wird durch Bismarcks sogenannte Politik von Zuckerbrot- und Peitschenbestimmt.Zuckerbrotpolitik: Schaffung der Sozialgesetzte. Das Ziel ist, die sozialen Probleme zu bekämpfen.Peitschenpolitik: Maβnahmen zur Unterdrückung der sozialistischen Bewegungen. Sozialistische Parteien, Vereine, Druckschriften werden verboten und der Einfluss der katholischen Kirche wird begrenzt. Die Sozialdemokratie wird als eine bedrohliche Macht betrachtet. (Sieh Sozialistengesetzt 1878) Der eiserne Kanzler kann frei regieren, solange Wilhelm 1. Kaiser ist. Nachdem Wilhelm 2. Den Thron bestiegen hat (1888), wird Bismarck entlassen.

Kontext Gesellschaft

Die Zeit von 1850 bis 1900 gilt als das bürgerliche Zeitalter. Als Folge der Ausbreitung der Industrialisierung und des Kapitalismus gewinnt das Bürgertum an Bedeutung. In ganz Europa wachsen materielle Sicherheit, Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit. Die Industrialisierung beginnt spät in Deutschland, aber holt schnell auf. Um 1880 ist Deutschland nach Groβbritannien und den USA die drittgröβte Industrienation der Welt. Der Realismus, die wichtigste literarische Strömung dieser Zeit, ist mit dem Aufstieg des Bürgertums und mit der Entwicklung der Naturwissenschaften und der Technik eng verbunden: die realistische Literatur beschäftigt sich mit der Entwicklung des Bürgertums und kritisiert einige Aspekte der damaligen Gesellschaft.
Die Philosophen und Denker dieser Zeit üben einen starken Einfluss auf die Literatur. Die Philosophie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist stark vom Positivismus geprägt, dessen Hauptvertreter Auguste Comte ist. (Nur Tatsachen sind als Basis für wissenschaftliche Erkenntnis zugelassen). 1848 drucken Karl Marx und Friedrich Engels ihre Ansichten im Manifest der kommunistischen Partei aus. Es enthält die Grundlagen des Marxismus, dessen Ziel der Klassenkampf ist. (Die Arbeiter sollen nämlich die Produktionsverhältnisse umkehren und zur herrschenden Klasse werden) Ein anderer wichtiger Philosoph ist F. Nietzsche, dessen Werk eine scharfe Kritik an Moral, Religion, Philosophie und Wissenschaft seiner Zeit enthält.

Kontext Literatur

Der Realismus ist eine literarische Bewegung, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz Europa erfasst, vor allem Frankreich (Balzac, Stendhal, Flaubert), England (Dickens), Russland (Tolstoj und Dostojewskij) und Deutschland. Das Stilmerkmal des Realismus ist die objektive Darstellung der Wirklichkeit des Menschen und der Natur, wie sie durch die Sinne wahrzunehmen ist.

Merkmale des Realismus

• Objekte der Beschreibung: objektive Betrachtung und sachgenaue Darstellung der Wirklichkeit
• Themen: alltägliche Probleme, individuelles Leben, bürgerliches Alltagsleben
• Hauptfiguren sind normale Menschen, die in einem bestimmten geschichtlichen Kontext handeln
• Sprache: meistens einfach, allen verständlich
• Orte: kleine Dörfer oder Orte auf dem Lande
• Kritik an Aspekten der gegenwärtigen Gesellschaft

Der poetische Realismus

• Der Begriff wird von Otto Ludwig geprägt: die deutschen Realisten beschäftigen sich mit der Wirklichkeit, behandeln sie jedoch subjektiv, indem sie sie durch ihre Sensibilität verklären. Darin unterscheidet sich der Realismus vom Naturalismus, der objektiv und neutral die negativen Aspekte der Wirklichkeit schildert, die im poetischen Realismus dagegen nicht oft vorkommen.
• Da die Harmonie zwischen ich und Welt verlorengegangen ist, und mit ihr auch der absolute Glaube an Gott, liegt das künstlerische Hauptproblem des R. in der Auseinandersetzung des subjektiven Ichs mit einer objektiven Welt, der der Dichter eine sittliche Ordnung zu geben versucht.
• Deutsche Variante des europäischen Realismus.Besonderheiten des p. R: Die Realisten wenden sich dem Bereich des Privaten, der Familie, der Heimat zu, so dass ihr Werk meist einen provinziellen bzw. regionalen Charakter hat. Im Gegensatz zu den sozialkritischen und historischen Romanen der groβen europäischen Realisten bleiben die Probleme und die Konflikte der frühkapitalistischen Gesellschaft aus ihren Werken ausgeschlossen. Der deutsche realistische Roman erreicht nie eine europäische Dimension; Die Autoren und die meisten Hauptgestalten gehören dem bürgerlichen Mittelstand an; so wird vorwiegend das Leben des Bürgers, des Handwerkers, des Kaufmanns und der Bauern auf dem Lande zum Gegenstand ihrer Werke. Die realistischen Autoren bieten von dieser Welt die Perspektive des Lebens des Einzelnen, mit seinen individuellen, psychologischen Konflikten, die ihre Ursprünge im sittlichen Bereich haben. Ein Kunstmittel, das dem realistischen Dichter eine “künstlerische Wiedergabe der Wirklichkeit ermöglicht, ist der Humor. Die Gestalten werden im engen Zusammenhang mit der Natur dargestellt, die ein Gegengewicht zu den beunruhigenden Problemen der Figuren bildet und eine ruhige und entspannte Stimmung ermöglicht. Das erklärt die meisterhaften Landschaftsschilderungen Kellers, Storms und Fontanes.
• Die Autoren haben eine pessimistische Haltung
• Der p. Realismus ist nämlich die Folge einer gewissen geschichtlichen Lage in Deutschland: bis 1871 ist D. in vielen Staaten zersplittert. Die industrielle Revolution setzt sich nur langsam ein und noch lange dominiert eine provinzielle und ländliche Wirklichkeit.
• Die Sprache ist eine reine, sachliche, natürliche aber auch kunstvolle Sprache. Die Schriftsteller versuchen, sich der Alltagssprache zu nähern und verständlich zu sein.
• Die Prosa: die beliebtesten Gattungensind der Roman (der gesellschaftskritische Zeitroman, der Bildungsroman, der historische Roman, die Dorfgeschichte) und die Novelle
• Die Lyrik: die Dichter beschreiben eine poetische Welt, wo idyllische Verhältnisse herrschen. Sie distanzieren sich nicht mehr wie im Roman von der Klassik, sondern sie folgen klassischen Vorbildern wie Goethe und Schiller.
• Vertreter des Realismus: Gottfried Keller, Theodor Fontane und Theodor Storm.
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