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Ingeborg Drewitz: Gestern war heute - Hundert Jahre Gegenwart (1978)

(Die Seitenangaben beziehen sich auf die Klett-Ausgabe, Stuttgart 1997)

I. Geburt - 1923 (Dezember)

1. Eine alte Frau sitzt in ihrem Zimmer, untätig, und denkt nach über die hektischen Geschehnisse in dieser Dreizimmerwohnung in Berlin (Lübecker Straße): Ihre Enkelin Susanne liegt in den Wehen, versorgt von ihrer Mutter und einer Hebamme. Die alte Frau darf nicht dabei sein, weil sie zu alt und zu zittrig ist. Sie könnte eine Petroleumlampe umstoßen und einen Brand erzeugen. Wenn sie das aber täte, denkt sie, dann würden die anderen sich wieder um sie kümmern müssen.

2. Gustav, der Vater der Gebärenden, erinnert sich an seine Herkunft aus Schlesien, an seinen Vater, die früh verstorbene Mutter, die vielen Geschwister. Er ist Buchhalter, Susanne sein einziges Kind, in die er große Hoffnungen gelegt hat und gerne als berühmte Pianistin gesehen hätte. Jetzt aber bekommt sie ein Kind, was wird nun aus ihrer Karriere?

3. Alice (Lieschen), seine Frau, beobachtet die Hebamme und wundert sich über deren Ruhe: Noch zwei Stunden. Die Zeiten sind schwer, das Geld ist täglich weniger wert.

4. Susannes Mann, von der Hebamme aus dem Haus geschickt, läuft unruhig durch die Straßen, denkt an sein werdendes Kind, an seine Erlebnisse im letzten Krieg, wie er in diese Familie kam und sich darin immer noch minderwertig fühlt, man gibt sich so selbstbewusst, der Großvater war Werkmeister, der Bruder der Schwiegermutter hat sogar in Paris studiert, die Tochter - seine Frau sollte Pianistin werden...

5. Die Geburt rückt näher - ein Mädchen wird geboren: GABRIELE.

Familien-Stammbaum

II. Ich - was ist das? - 1926

Aprilsonntag, Mittagessen in der Dreizimmerwohnung, die nun vier Generationen beherbergt: Es gibt heute Fleisch. Die angespannte Situation wird aus der Perspektive des dreijährigen Kindes geschildert: Die sabbernde Uroma, die vorwurfsvollen Großeltern, die schwangere Mutter, der unzufriedene Vater.

III. Friede auf Erden - 1929

1. Weihnachten: Gabrieles Vater läuft im Regen durch die Straßen, er ist jetzt arbeitslos, wie viele andere, deprimiert, denkt sogar an Selbstmord.

2. Großmutter bereitet das Weihnachtsessen vor. Sie ärgert sich darüber, dass sich Gustavs Bruder Bruno selbst eingeladen hat, nicht nur weil die Zeiten schwer sind, sondern auch weil er ein Nationalsozialist ist und dies immer zu erhitzten Diskussionen unter den Männern führt, vor allem mit dem Schwiegersohn, dem Sozialisten.

3. Gabriele - das wilde, ungeduldige Kind.

4. Tatsächlich kommen von Bruno, dem Frühentner, antijüdische Nazi-Parolen: Der Streit beginnt.

5. Noch ein Besucher: Susannes Schwiegermutter, eine Alkoholikerin, die ihrem Sohn das wenige Geld abnimmt, das er von der Unterstützung erhält. Sie hat sich aufwendig zurechtgemacht, kommt mit dem Taxi und Geschenken und ist betrunken. Man duldet sie zuerst, als sie dann aber - zusammen mit Bruno - sich abfällig über das Weihnachtsfest und seine falschen Gefühle äußert, wirft Gustav sie hinaus, der Sohn bringt sie auf die Straße. Er ist von seiner Mutter und ihrem Auftreten angewidert.

6. Gabriele: An diesem Abend holt die Urgroßmutter sie von den zerstrittenen Erwachsenen weg und in ihr Zimmer, wo sie ihr von Paul erzählt, ihrem Sohn, der in London, Paris und Petersburg gelebt, Jura studiert und gearbeitet hat, einem Idealisten und Intellektuellen. Dem sei sie in ihrer inneren Unruhe ähnlich, sie und ihre Mutter Susanne. (Zu Paul und Petersburg 1905 siehe auch S.24)

IV. Aber wir müssen uns wehren - 1933 (Frühjahr)

"...die Nazis der Reichstag..."

1. Aus Gabis Perspektive erfährt der Leser die Veränderungen in der Schule und der Familie: Sie sind umgezogen in ein Fabrikviertel (Oberschöneweide), Gabi ist für das Gymnasium vorgesehen, braucht aber Schulgeldbefreiung, in der vierten Klasse gibt es Banden und Außenseiter, Vater schimpft über Hindenburg und Hitler.

2. Vater: Sein Verhältnis zu Susanne, Hass und Liebe, seine Arbeitslosigkeit als Bauzeichner trotz fleißiger Weiterbildung, wer hat den Reichstag angezündet, die Bekehrung seiner Mutter zu Mathilde Ludendorffs Arierbewegung, der Zwang zum Mitmachen (PG oder SA), wenn man Arbeit finden will. Er will trotzdem in "diese Partei" eintreten (S.61).

3. Susanne kann das nicht verstehen, sagt aber nichts.

4. Die Mutter spricht mit Gabi über die Schule: Da wird ein jüdisches Mädchen (Ruth) von allen gemieden, es gibt Schülerbanden, Susanne ist darüber erschrocken, "wir müssen uns wehren" (65), denkt sie.

5. Gabriele erlebt beim Einkaufen einen geordneten SA-Aufmarsch, die Straßen sind gesperrt und werden von Menschen gesäumt, die das Ereignis beobachten und kommentieren.

V. Wenn alles aufhört bin ich ganz allein - 1936 (Olympiade)

1. Gustav hat starke Herzbeschwerden, besucht trotzdem eine Nachbarin, deren geistig behinderter Sohn von einem Dr. Steinbeil in ein Heim eingewiesen werden soll. Gustav betreibt neben seiner Arbeit viel Nachbarschaftshilfe, sein Vertrauensarzt, Dr. Wolf, plant die baldige Ausreise nach Prag.

2. Zuhause zieht sich Gustav in sein Zimmer zurück. Wenig später findet ihn seine Frau tot auf dem Bett liegend auf. Er war 65 Jahre alt.

3. Die Urgroßmutter wundert sich, warum Alice nicht aus dem Zimmer kommt, denkt an ihren Sohn Paul, der es zu mehr hätte bringen können als Gustav, der Buchhalter. Sie geht schließlich in deren Zimmer und findet die beiden. Sie ist nicht erschüttert.

4. Susanne, deren Mann jetzt wieder - nach dreijähriger Parteimitgliedschaft ("Märzhase") - eine Aushilfstätigkeit hat, erhält das Telegramm, holt die Töchter aus der Schule ab und fährt zur Mutter in die Lübecker Straße. Es gibt jetzt viel zu tun.

5. Gabi, im Taxi auf der Fahrt zur Beerdigung, denkt an ihre Teilnahme an den Olympiafeiern auf dem Maifeld: Sie ist stolz, dabei zu sein und das WIR-Gefühl zu teilen. Dann läuft die Beerdigung ab, unter den Trauergästen sind Dr. Wolf, Bruno und Vaters Mutter, die ihn auch noch am Grabe um 50 Mark anbettelt. Wenn nicht, dann lege sie sich unters Gas. Er verweigert sich.

Aus dem Arbeitstagebuch zum Roman

Weitere Reflexionen, diesmal stärker aus auktorialer Perspektive: Die Beerdigung als Ende von Gabrieles Kindheit! Deren körperliche Reifung, der Selbstmord von Vaters Mutter.

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Scienze antichità, filologico-letterarie e storico-artistiche L-LIN/13 Letteratura tedesca

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