Esame di stato di liceo linguistico - 2002
Tema di: lingua straniera
Testo letterario - lingua tedesca
(comprensione e produzione in lingua straniera)
Der Ernst des Lebens
Da stand meine Mutter vor mir, nie merkte ich, wie sie ins Zimmer kam, immer erschien sie plötzlich mitten im Zimmer wie aus dem Boden emporgewachsen. Den Raum mit ihrer Allgegenwart beherrschend. Hast du deine Aufgaben gemacht, fragte sie, und ich sank zurück in meine Müdigkeit. Noch einmal fragte sie, bist du schon fertig mit deinen Aufgaben? Aus meiner dumpfen Lage heraus, antwortete ich, ich mache sie später. Sie aber rief, du machst sie jetzt ... Ich bin verantwortlich für dich, wenn du nichts kannst, dann fällt das auf mich zurück, leben heißt arbeiten, arbeiten und arbeiten und immer wieder arbeiten. Dann ließ sie mich allein.
Neben mir auf einem Brett stand das Modell einer Stadt, das ich mir aus Papier und Zellophan, aus Drähten und Stäben erbaut hatte. Nach meinen zerstörerischen Spielen war dies der erste konstruktive Versuch. Es war eine Zukunftsstadt, eine utopische Metropole, doch sie war unvollendet, skeletthaft, ich wusste plötzlich, dass ich nicht daran weiterbauen würde, ich sah nur noch zerknittertes, leimdurchbröckeltes Papier, und alles war verbogen und zerbrechlich, man konnte es mit einem Atemzug umblasen. Ich musste nach dem Mittel des Ausdrucks suchen. Während ich über meinem Tagebuch brütete, öffnete sich die Tür und mein Vater trat ein. Er sah mich am Schreibtisch hocken, bei irgendwelchen Beschäftigungen, an denen er nie teilhaben durfte, er sah, wie hastig etwas in der Schublade verschwand, was treibst du denn da, fragte er, ich mache meine Schulaufgaben, sagte ich. Ja, darüber wollte ich eben mit dir sprechen, sagte er. Eine peinliche Spannung trat ein, wie immer bei solchen Gesprächen. Du bist jetzt alt genug, sagte er, dass ich einmal mit dir über Berufsfragen sprechen muss. Wie denkst du dir eigentlich deine Zukunft? Ich konnte auf diese allgemeine Frage nicht antworten. Mit einer Stimme, die verständnisvoll sein sollte, und die etwas von einem Gespräch von Mann zu Mann hatte, sagte er, ich schlage vor, dass du in die Handelsschule eintrittst und dann in mein Kontor kommst. Ich murmelte etwas davon, dass ich erst noch die Schule absolvieren wolle, damit könnte ich immerhin Zeit gewinnen. Mein Vater sagte, jetzt mit wachsender Ungeduld, dazu scheint es doch kaum zu taugen, ich glaube nicht, dass du begabt genug dazu bist, und zum Studieren fehlt dir jede Ausdauer, du gehörst ins praktische Berufsleben. Sein Gesicht war grau und vergrämt. Wenn man vom Leben sprach, musste man grau und vergrämt sein. Leben war Ernst. Mühe. Verantwortung.
Mein Gesicht, das Gesicht eines Nichtskönners und Tagediebes, verzog sich zu einem verlegenen, stereotypen Grinsen. Gekränkt sagte mein Vater, du brauchst gar nicht zu lachen, das Leben ist kein Spaß, es wird Zeit, dass du einmal wirklich arbeiten lernst. Vielleicht spürte er eine Regung von väterlicher Fürsorge für mich, doch als er meinen schiefen, feindlichen Blick sah, musste er sich hart machen und seinen festen Willen zeigen. Mit der flachen Hand schlug er auf den Tisch und rief, wenn dieses Schuljahr zu Ende ist, dann ist es Schluss mit den Träumereien, dann wirst du dich endlich der Realität des Daseins widmen.
Peter Weiss: Abschied von den Eltern (1961), Suhrkamp, 1974
Textverständnis
- Peter Weiss hat in seiner autobiographischen Erzählung "Abschied von den Eltern" eigene Erfahrungen aus seiner Jugendzeit verarbeitet. Welches Problem wird im vorliegenden Textausschnitt aufgegriffen? Fassen Sie die Thematik in wenigen Sätzen zusammen.
- In welcher Situation befindet sich der Junge? Setzt er sich mit seiner Umgebung und seiner Zukunft auseinander?
- Wie erlebt er die Begegnung mit der Mutter, welche Wirkung hat ihre Gegenwart?
- Wie erlebt er den Eintritt des Vaters? Warum kommt es zu keinem Gespräch "von Mann zu Mann"?
- Welchen Standpunkt zum Leben nehmen Vater und Mutter ein? Hat auch der Junge schon einen eigenen Standpunkt?
- Suchen Sie Merkmale im Text, die Belege für autobiographisches Schreiben darstellen? Denken Sie an die erzählende Person, an Dialoge, an Textgliederung und Gefühlsausdrücke.
Texterstellung
Welche Erfahrungen machen Jugendliche heute mit ihrer Lebensplanung und ihren Berufswünschen? Glauben Sie, von der Schule auf das Leben gut vorbereitet worden zu sein? Inwiefern kann das Elternhaus in dieser wichtigen Phase Unterstützung bieten, oder auch der Gedankenaustausch mit Freunden?
Durata massima della prova: 6 ore.
È consentito l'uso dei dizionari monolingue e bilingue.
Non è consentito lasciare l'Istituto prima che siano trascorse 3 ore dalla dettatura del tema.