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Svizzera - Previsioni elezioni 2011 Appunti scolastici Premium

Materiale didattico per il corso di Politica comparata del prof. Marco Giuliani. Trattasi di uno studio redatto in lingua tedesca riguardante alcune previsioni sui risultati elettorali delle consultazioni che si terranno in Svizzera nel 2011, a cura dell'istituto di ricerca gfs.bern.

Esame di Politica comparata docente Prof. M. Giuliani

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wichtige Verhältnis zwischen linkem und rechtem Block zu verschieben, oder

auch ein neues Zentrumslager mitzubegründen.

1.3. Datenbasis 2010/2011

Das Wahlbarometer 2011 wird in sieben Wellen realisiert werden, die verteilt

auf die zwölf Monate vor der Parlamentswahl durchgeführt werden. Dabei

werden die Abstände anfangs grösser, gegen das Ende kleiner sein.

Jede Befragungswelle wird mindestens 2000 repräsentativ ausgewählte Be-

fragte umfassen. Grundgesamtheit sind stets die Wahlberechtigten in der

Schweiz mit einem Telefonanschluss. Diese werden nach einem systemati-

schen Zufallsverfahren jeweils neu ausgewählt und kontaktiert. Sofern es sich

dabei um Personen handelt, die zum Zeitpunkt der Befragung wahlberechtigt

sind, wird das Interview realisiert. Wenn unter einer Telefonnummer mehrere

Wahlberechtigte registriert sind, werden die Daten der Personen erhoben, die

als letztes im Kalenderjahr Geburtstag hat.

Tabelle 2:

Technischer Kurzbericht Wahlbarometer Welle 2

SRG SSR

Auftraggeber Forschungsinstitut gfs.bern

Durchführendes Institut Wahlberechtigte mit Wohnsitz in der Schweiz

Grundgesamtheit Total Befragte N = 2011,

Stichprobengrösse Teilnehmende NRW 2011 n = 1229

CATI

Erhebungsart at random für Telefonnummern und Haushaltszusam-

Auswahlverfahren mensetzung

10. bis 22. Januar 2011

Befragungsdauer 14. Januar 2011

Mittlerer Befragungstag ±2.2 Prozent bei 50/50 und 95-prozentiger Wahrschein-

Theoretischer Stichpro-

benfehler lichkeit

© SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011

Die Leistungen, die wir mit unserem Stichprobenverfahren und unserer Daten-

analyse bisher erbracht haben, liegen auf jeden Fall innerhalb der theoretisch

bestimmbaren Fehlergrenzen, obwohl es in der Schweiz nicht erlaubt ist, bis

zum Wahltag selber Umfragen zu machen und zu veröffentlichen. 2007 wich

unserer letzte Befragung mit Interviews von rund 20 Tagen vor dem Wahltag

bei der Beteiligung um 1.5 Prozent vom effektiven Wert ab, bei den Parteien

resultierte eine mittlere Differenz von einem Prozentpunkt. Alle fünf Aussagen

zur den Trends bei den Parteien und bei der Beteiligung stimmten qualitativ.

Damit erwies sich das Wahlbarometer als genaustes Messinstrument vor den

letzten Nationalratswahlen.

Die Ergebnisse erscheinen gebündelt via SRG-Medien; gleichzeitig wird der

Schlussbericht auf Internet publiziert, und es erscheint eine aufdatierte elek-

tronische Datenbank für zusätzlichen Auswertungen.

1.4. Möglichkeiten und Grenzen von Wahlbe-

fragungen

So erstellte Bestandesaufnahmen sind an sich keine Wahlprognose. Sie sind

eine Bestandesaufnahme zum jeweiligen Zeitpunkt der Erhebung. Die serien-

mässige Durchführung erlaubt es darüber hinaus, wesentliche Trends in der

Meinungsbildung zu erfassen. Das selbst ist auch noch keine Vorhersage, denn

Änderungen sind immer möglich, insbesondere durch die Mobilisierung, die

erst in den letzten drei Wochen vor der Wahl effektiv wirksam werden kann. 10

Deshalb bleiben Vorbehalte zur Prognosefähigkeit bis zum Schluss. Immerhin

halten sich die Unsicherheiten in der Regel in engen Grenzen und kein anderes

Instrument hat sich als zuverlässiger erwiesen als Wahlbefragungen.

Es gibt verschiedene Ursachen der Erfassungsschwierigkeiten. Die Basis von

Wahlbefragungen in der Schweiz können nie ganz identisch sein mit den Wahl-

berechtigten: Vor allem stellt die Befragung der AuslandschweizerInnen ein

praktisch nicht lösbares Problem dar. Nur unter der Annahme, dass sie gleich

wählen (wollen) wie die Schweizerinnen und Schweizer im Inland, ergibt sich

daraus jedoch keine Verzerrung. Doch das ist eine wenig bewiesene Annahme,

nicht zuletzt weil sich Ausland- und Inlandschweizerinnen und -schweizer so-

ziologisch unterscheiden, in verschiedenen kulturellen Kontexten leben und die

politische Öffentlichkeit different ist.

Das zweite Problem ergibt sich aus dem Panaschieren. In Wahlkreisen mit

mehreren zu vergebenden Sitzen gehen die Linien mit parteifremden Kandida-

tInnen der ausgesuchten Liste verlustig. Das ist den Wählenden nicht automa-

tisch geläufig; es kann deshalb mit Befragungen nicht eindeutig erfasst wer-

den.

Schliesslich müssen Wahlbefragungen in der Schweiz spätestens zehn Tage

vor dem Wahltag veröffentlicht sein. Ihr mittlerer Erhebungstag liegt damit am

Entscheidungstag schon zwei bis drei Wochen zurück. Nur unter der Annahme,

dass in dieser Frist nichts Relevantes mehr passieren würde, könnte die letzte

Bestandesaufnahme direkt als Prognose verwendet werden.

1.5. Die Berichterstattung

Der Bericht gliedert sich nach der Einleitung in den Befunde- und den Synthe-

seteil. Der Befundeteil referiert die Ergebnisse zu den Wahlabsichten, den Mo-

bilisierungsbereitschaften, der Positionierung der Parteiwählerschaften, ihrer

sozialstrukturellen Zusammensetzung, den Images der Parteien Themen-

Personen- und Kampagnenfragen sowie dem Schwerpunktsthema.

Über das Projektteam, das die Berichterstattung vornimmt, orientiert der An-

hang des Berichtes. Geleitet wurde es von Claude Longchamp, Institutsleiter

gfs.bern, Lehrbeauftragter an den Universitäten St. Gallen und Zürich. Verfasst

wurde der Bericht gemeinsam von ihm und Martina Imfeld, Projektleiterin am

Forschungsinstitut gfs.bern. 11

2. Befunde

2.1. Entscheidungsabsichten

2.1.1. Aktueller Stand der Wahlabsichten

Wäre am 14. Januar 2011 der Nationalrat gewählt worden, hätten die Wahlbe-

rechtigten, die sich an der Wahl bestimmt beteiligt hätten, ihre Stimmen wie

folgt auf die Parteien verteilt:

Grafik 4:

Aktuelle Parteistärken

"Wenn am nächsten Sonntag schon Nationalratswahlen wären, welcher Partei würden Sie heute Ihre Stimme hauptsächlich

geben?"

in % Wahlberechtigter, die bestimmt teilnehmen wollen und eine Parteipräferenz haben

EDU

1.5%

eindeutig andere Partei

EVP

BDP 1.4%

2.2%

2.6%

GLP

5.2% SVP

29.8%

GPS

8.8%

CVP

12.9% SP

18.0%

FDP

17.7%

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 855)

 Die grösste Partei wäre die SVP mit rund 30 Prozent Wähleranteil gewesen,

gefolgt von der SP und FDP mit gerundeten 18 und der CVP mit etwa 13 Pro-

zent. Danach weist das Barometer die Grünen mit rund 9 Prozent der Stimmen

aus, während die GLP auf zirka 5, die BDP auf 3 Prozent gekommen wären. Die

EVP und EDU lägen bei je 2 Prozent. Alle anderen Parteien hätten 1 oder weni-

ger Prozent gehabt.

Die Wahlbeteiligung wäre bei 52 Prozent gewesen.

2.1.2. Vergleich zu 2007: Veränderung der Parteistärken

Die Reihenfolge unter den Parteien erscheint aktuell gleich wie die bei den

Wahlen 2007. Einzig bei der BDP ist dieser Bezug nicht möglich. Diese Partei

würde sich gemäss Wahlbarometer jedoch nicht an der 5., sondern an der 6.

stelle platzieren. 12

Grafik 5: Aktuelle Parteistärken im Vergleich zu NRW 07

Aktuelle Parteistärken im Vergleich zu NRW 07 "Wenn am nächsten Sonntag schon Nationalratswahlen wären, welcher Partei würden Sie heute Ihre Stimme hauptsächlich

"Wenn am nächsten Sonntag schon Nationalratswahlen wären, welcher Partei würden Sie heute Ihre Stimme hauptsächlich geben?"

geben?" n % Wahlberechtigter, die bestimmt teilgenommen haben resp. bestimmt teilnehmen wollen und

in % Wahlberechtigter, die bestimmt teilgenommen haben resp. bestimmt teilnehmen wollen und eine Parteipräferenz haben

eine Parteipräferenz haben

29.8

28.9 5.2

19.5 18 17.7 17.7 14.5 12.9 2.6 2.4

9.8 2.2

8.8 1.5

1.4 1.3

GLP BDP EVP EDU

SVP SP FDP.Die Liberalen CVP Grüne NRW 07 14.01.2011

NRW 07 14.01.2011 SRG/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 855)

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 855)

 Die Abstände untereinander wären durch die aktuellen Verschiebungen indes-

sen anders gewesen. Das Parteiensystem der Schweiz würde demnach eine

grosse Partei haben, drei mittlere, zwei kleinere und drei kleine Parteien. 9 Par-

teien hätten mehr als ein Prozent.

Die SVP käme mit 29.8 Prozent auf einen Rekordwert. Es wäre nicht nur der

höchste je befragte WählerInnen-Anteil für eine Partei – er würde auch das

historische Wahlergebnis der Partei übertreffen, das die SVP 2007 erzielte und

das beste aller Parteien seit Einführung des Proporzsystems 1919 war.

Zweite Siegerin wäre die GLP, die gegenüber der letzten Wahl um 3.8 Prozent-

punkte zulegen und damit auf 5.2 Prozent WählerInnen-Anteil kommen könnte.

Dritte Gewinnerin wäre die BDP, die erstmals zu Nationalratswahlen antritt und

auf 2.6 Prozent käme. Bemerkt sei, dass wir bei beiden Parteien die Wahlab-

sichten national ermittelt haben, obwohl sie nicht in allen Wahlkreisen antreten

werden. Das dürfte ihren effektiven Anteil leicht geringer ausfallen lassen.

Verluste gegenüber 2007 würde es für die CVP, die SP und beschränkt auch für

die Grünen absetzen, während sich die fusionierten FDP und Liberalen genau

halten könnten.

Gegenüber den letzten Parlamentswahlen wäre auch die Beteiligung höher.

Aktuell würde sie bei 52 Prozent liegen, was für die neueste Wahlgeschichte

der Schweiz ebenfalls ein Rekordwert wäre. 2007 nahmen 48 Prozent an den

Wahlen teil.

Demoskopische Veränderungen sind auch gegenüber dem Herbst 2010 festzu-

halten. Namhaft sind sie bei der SVP, die einen Sprung von 3.7 Prozentpunkten

machen würde. Beschränkt zugelegt hat in unserer Umfragenserie auch die

GLP (+1,4%). Verloren hat seit Oktober 2010 insbesondere die SP, die um zwei

Prozentpunkte zurückging. Etwas an Boden eingebüsst hat auch die BDP mit

einem Prozent WählerInnen-Anteil weniger. Alle anderen Veränderungen sind

geringer als ein Prozentpunkt und sollten nicht interpretiert werden. 13

Grafik 6:

Teilnahmeabsicht an nächsten Nationalratswahlen

im Vergleich zu Teilnahme NRW 2007

"Man weiss ja nie, was die Zukunft bringt. Wenn Sie aber an die nächsten Nationalratswahlen denken, werden Sie dann daran

bestimmt teilnehmen, eher teilnehmen, eher nicht teilnehmen oder sicher nicht teilnehmen?"

in % Wahlberechtigter, die bestimmt teilnehmen wollen (2011), resp. teilgenommen haben 52

48 47

43

NRW 2007 15.08.2009 06.10.2010 14.01.2011

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011

(N = jeweils ca. 2000) Die Beteiligungsbereitschaft ist seit Herbst 2010 um fünf Prozentpunkte gestie-

gen.

Die strukturellen Determinanten der Wahlabsicht veränderten sich damit jedoch

nicht. Wie die ganze politische Partizipation hängt auch die Wahlbeteiligung in

erster Linie vom sozio-ökonomischen Status, insbesondere von der Schulbil-

dung ab. Das trifft auch diesmal zu, sind doch höhere Bildungsschichten etwas

mehr gewillt, sich zu beteiligen als tiefe. In der Schweiz kommen erhebliche

Einflüsse aus dem Alter, beschränkte auch aus dem Geschlecht hinzu. Ältere

wollen sich bei den kommenden Nationalratswahlen mehr als Jüngere äussern,

und bei Männern ist dies gegenüber Frauen in ebenfalls erhöhtem Masse der

Fall.

Insbesondere die Differenzen zwischen zwei Wahlbarometer-Befragungen sind

unüblich. Sie bedürfen einer Erklärung aus den Gegebenheiten der letzten Mo-

nate. Dabei können wir als Arbeitshypothesen auf drei Ereignisse verweisen:

Erstens auf die Volksabstimmungen vom 28. November 2010, die maxi-

• mal polarisierten, namentlich der SVP einen Abstimmungssieg mit der

Ausschaffungsinitiative brachten, während die SP mit ihrer Steuerge-

rechtigkeitsinitiative nicht reüssierte.

Zweitens der Programmparteitag der SP, an dem sich die Parteilinke in

• zahlreichen Fragen durchsetzte, was in der medialen und politischen Öf-

fentlichkeit zu einer Dauerkritik führte, verbunden mit dem Hinweis, die

Partei verliere ihre Bindungsfähigkeit in die politische Mitte.

Drittens seien die Auftakte zu den Wahlkämpfen erwähnt, von denen

• jener der SVP am prominentesten war und die Wahlziele, 30 Prozent

Wähler-Anteil bei den Nationalratswahlen zu erreichen und die Vorherr-

schaft der CVP im Ständerat zu knacken, eindeutig ausgedrückt wurden.

Wenig Einfluss auf die Befragung schreiben wir hingegen der Kontroverse zu,

die im unmittelbaren Nachgang zur "Albisgütli-Tagung" wegen der gewalttätigen

14

Attacke auf SVP-Wahlkampf-Leiter Hans Fehr ausbrach. Sie erfolgte im We-

sentlichen nach unserer Erhebung, die am Samstag abgeschlossen wurde.

2.1.2. Ursachen: Mobilisierungsgewinne und Parteiwechselabsichten

Von der vermehrten Teilnahmebereitschaft profitieren zuallererst die neuen

Parteien. Bei der BDP ist das fast selbstredend, denn sie trat 2007 noch gar

nicht zu den Parlamentswahlen an. Doch auch die GLP ist für NeuwählerInnen

eine besonders attraktive Partei. Relevante Anteile Neuwählender kennt dar-

über hinaus die SP und dies ist im überdurchschnittlichen Masse auch bei der

SVP und der FDP der Fall. Demgegenüber finden sich entsprechende Effekte

bei der CVP und der GPS kaum. Sie leiden an einer gewissen Mobilisierungs-

schwäche, die namentlich im Parteienvergleich zum Ausdruck kommt.

Im Vergleich zum letzten Wahlbarometer ist vor allem die Mobilisierung auf der

rechten Seite gestiegen. SVP und FDP sprechen mit ihren national- respektive

liberalkonservativen Positionen, die sich im Zusammenhang mit der jüngsten

Ausländerdebatte herausstrichen, Neuwählende an.

Die Wechselwählenden sind etwas weniger häufig. Doch auch hier überwiegt

der Trend nach rechts. Die SVP ist seit neuestem wieder für ehemalige Wäh-

lende von FDP und CVP interessant. Sie verliert aber etwa an die BDP. Die GLP

profitiert von Unzufriedenen bei SP, GPS, CVP und FDP. Bei der BDP finden

sich nebst Ex-WählerInnen von SVP auch solche der anderen Regierungspar-

teien FDP, CVP und sogar SP. Auch die CVP, sonst nicht sehr attraktiv für

Wechselwählende zieht etwas enttäuschte SP-Wählende an.

Die hier ermittelten Ergebnisse sprechen vor allem bei der GLP für eine be-

wusste Suche nach neuen WählerInnen jenseits der sonst so klaren Lagergren-

zen hinweg. Mit dem ökoliberalen Mix kann sie erfolgreich die bürgerlichen

Zentrumsparteien wie auch die linken politischen Gruppierungen kon-

kurrenzieren. Bei der BDP dominiert stärker das überparteilich-bürgerliche Pro-

fil, wie es auch durch die Namensgebung angekündigt wurde; trotzdem ge-

winnt sie minimal zulasten der SP. 15

Grafik 7:

Wählerstromanalyse aufgrund der aktuellen Parteistärken und der

Positionierung auf der Links-Rechts-Achse

In % Wahlberechtigte, die bestimmt teilnehmen wollen und eine Parteipräferenz haben

30.0 SVP

25.0

20.0 SP

Parteistärke FDP

15.0 CVP

10.0 GPS

5.0 GLP BDP

0.0

Links Rechts

Nicht-Wählende

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 23. Januar 2011

 2.2. Themen und Parteienkompetenz

2.2.1. Die Themenorientierung der Wählerschaft

Auf den Spitzenrängen der dringendsten Probleme finden sich bekannte The-

men; neu sind allerdings das Gewicht einzelner Probleme und deren Rangie-

rung. Somit hat sich der Problemhaushalt der Bürgerinnen und Bürger seit den

letzten Wahlen zwar quantitativ etwas verändert, inhaltlich steht die Schweizer

Politik aber nach wie vor denselben Herausforderungen gegenüber. So finden

sich unter den aktuellen Top-5-Problemen genau wie bereits vor vier Jahren die

Migrationsthematik, Probleme rund um das Gesundheitswesen, die Arbeitslo-

sigkeit sowie Sorgen um sozialversicherungstechnische Belange. Neu in den

Top 5 rangieren auf dem fünften Platz Probleme mit und rund um die EU und

Europa. Mit Ausnahme der Arbeitslosigkeit ist somit der wirtschaftliche Prob-

lemdruck, der mit der Wirtschaftskrise allgemein spürbar war, abgeflaut.

Bedenken rund um die Wirtschaftsentwicklung, Löhne und auch Steuern und

Finanzen sind tendenziell auf den hinteren Rängen vorzufinden. Als Nach-

wirkung der Wirtschaftskrise könnte man jedoch die hohe Rangierung der

Probleme mit Sozialversicherungen gewertet werden, wobei hier auch die de-

mographische Entwicklung des Landes eine nicht unbeträchtliche Rolle spielen

dürfte. Nach wie vor rangiert auch die Umwelt als Sorge relativ hoch. Reformen

beim Bund waren in frühren Jahren nie derart wichtig, wie sie es aktuell zu sein

scheinen. Auf den hinteren Rängen finden sich Probleme im Zusammenhang

mit Steuern und Finanzen, Schule und Bildung, Sicherheit und Kriminalität

sowie Familie.

Führt man sich die dringendsten Probleme vor Augen, welche die Schweizer

Wahlberechtigten gerne von der Politik bereinigt hätten, ist auch der realpoliti-

sche Hintergrund der letzten Zeit zu erkennen: Migrationsverwandte Themen

16

dominierten die jüngste politische Agenda des Landes mit den Abstimmungen

respektive Kampagnen zum Minarettsverbot und zur Ausschaffungsinitiative.

Auch über Sozialversicherungen hatte das Stimmvolk in den Abstimmungen

zum BVG-Mindestumwandlungssatz und zur Arbeitslosenversicherung im ver-

gangen Jahr zu befinden. Neu, aber auch wenig überraschend ist der wahrge-

nommene Problemdruck rund um Europa und die EU. Einerseits war das

Schengener Abkommen häufig im Gespräch, wenn es um Migrationsfragen

ging, andererseits klafften mit der Wirtschafts- und Währungskrise schmerzli-

che Schwachstellen der EU auf, was den Diskurs zum Umgang mit dieser

politischen Institution in der Schweiz neu aufflammen liess. Es ist durchaus

denkbar, dass die Nennhäufigkeiten dieser Probleme mit einer Fokusverschie-

bung hin zu anderen tagespolitischen Themen im Verlauf des Wahljahres auch

wieder rückläufig werden.

Grafik 8:

Dringendstes Problem

"Welches ist Ihrer Meinung nach das dringendste Problem, das die schweizerische Politik heute lösen soll?"

in % Wahlberechtigter 22 12

Migration, Ausländer, Integration, Asyl und Flüchtlinge 9 10

Krankenkassen und Gesundheitswesen 8 8

Arbeitslosigkeit 7 9

AHV, soziale Sicherheit, Rentenalter, BVG, neue Armut 8 5

EU und Europa 6 6

Umwelt (Klima) 1. Nennung

6 3

Reformen Bund 2. Nennung

3 5

Steuern und Finanzen 3 4

Schulen, Bildung, Forschung 3 4

(Un)Sicherheit, Gewalt, Kriminalität 3 4

Wirtschaftsentwicklung, Konjunktur, Rezession, Inflation 2 3

Familie 2 2

Löhne, Lohnunterschiede 10 16

weiss nicht/keine Antwort

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (N = 2011)

 17

2.2.2. Die Themenorientierung nach Parteiwählerschaften

Nachfolgende Grafiken zeigen den Problemdruck nach Parteien aufgeschlüs-

selt, wobei die violette Linie jeweils die Amplitude der nationalen Nennungen

zum Vergleich wiedergibt.

Betrachtet man ausschliesslich die potenzielle Wählerschaft der SVP, fällt ins-

besondere der wahrgenommene Problemdruck rund um migrationspolitische

Fragen auf. Diese Frage überlagert alle andern Probleme und zwar in einer

Deutlichkeit, wie sie bei keiner anderen Partei zu finden ist. Im Vergleich zu den

Werten der gesamten Wählerschaft sind bei der SVP-Wählerschaft auch Nen-

nungen der EU und Europas als Problem überdurchschnittlich präsent. Häufiger

als in der restlichen Bevölkerung wünschen sich SVP-WählerInnen Reformen

beim Bund, was im Zusammenhang mit der Bundesratsfrage zu interpretieren

ist. Klar unterdurchschnittlich beurteilen sie hingegen den Problemdruck von Ar-

beitslosigkeit, Umweltproblemen und Bildungsfragen.

Grafik 9:

Dringendstes Problem nach Parteien: SVP

"Welches ist Ihrer Meinung nach das dringendste Problem, das die schweizerische Politik heute lösen soll?"

in % Wahlberechtigter, welche SVP wählen wollen 40 14

Migration, Ausländer, Integration, Asyl und Flüchtlinge 5 11

Krankenkassen und Gesundheitswesen 5 5

Arbeitslosigkeit 6 8

AHV, soziale Sicherheit, Rentenalter, BVG, neue Armut 9 5

EU und Europa 4 4

Umwelt (Klima) 1. Nennung

7 3

Reformen Bund 5

Steuern und Finanzen 2. Nennung

2

Schulen, Bildung, Forschung 4 4

(Un)Sicherheit, Gewalt, Kriminalität 2 5

Wirtschaftsentwicklung, Konjunktur, Rezession, Inflation 1 3

Familie 3

Löhne, Lohnunterschiede 8 11

Anderes 8 17

weiss nicht/keine Antwort

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 484)

 18

Am zweithöchsten, jedoch unter dem Wert der gesamtschweizerischen Wäh-

lerschaft, ist der Problemdruck von Migrationsfragen bei potenziellen WählerIn-

nen der FDP. Im Umfeld dieser Personengruppe drückt der Schuh besonders in

Bezug auf die Wirtschaftsentwicklung und wohl vor eben diesem Hintergrund

auch in Bezug auf die Europäische Union. Eher unterdurchschnittlich erachtet

die FDP-Wählerschaft hingegen Umweltprobleme, die Sozialversicherungen,

Reformen beim Bund oder Löhne und Lohnunterschiede als dringliche Prob-

leme der Schweizerischen Politik. Die Anliegen dieser Wählergruppe drehen

sich also eher um die gesamtwirtschaftliche Situation der Schweiz und des

nahen Auslandes.

Grafik 10:

Dringendstes Problem nach Parteien: FDP

"Welches ist Ihrer Meinung nach das dringendste Problem, das die schweizerische Politik heute lösen soll?"

in % Wahlberechtigter, welche FDP wählen wollen 14 15

Migration, Ausländer, Integration, Asyl und Flüchtlinge 10 9

Krankenkassen und Gesundheitswesen 9 6

Arbeitslosigkeit 5 7

AHV, soziale Sicherheit, Rentenalter, BVG, neue Armut 14 4

EU und Europa 6

1

Umwelt (Klima) 1. Nennung

4

Reformen Bund 5

4

Steuern und Finanzen 2. Nennung

2 4

Schulen, Bildung, Forschung 4 4

(Un)Sicherheit, Gewalt, Kriminalität 7 4

Wirtschaftsentwicklung, Konjunktur, Rezession, Inflation 1 3

Familie 1

Löhne, Lohnunterschiede 17 12

Anderes 12 16

weiss nicht/keine Antwort

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 278)

 19

Bei der CVP-Wählerschaft führen Probleme mit dem Gesundheitswesen die

Liste an. Im Vergleich zur gesamten Schweizer Wählerschaft zeigt sich die

CVP-Wählerschaft in Bezug auf Schule und Bildung, Sicherheit und Gewalt, die

Wirtschaftsentwicklung, EU und Europa, die Sozialversicherungen sowie das

Gesundheitswesen überdurchschnittlich besorgt. Deutlich unter dem Durch-

schnitt liegen in diesem Wählersegment hingegen Probleme rund um die Mig-

ration, was jedoch nicht bedeutet, dass diese unwichtig sind, kommen sie doch

knapp hinter den Bedenken zum Gesundheitswesen auf den zweiten Rang zu

liegen. Ebenfalls unterdurchschnittlich dringlich erachtet man hier Reformen

beim Bund als notwendig.

Grafik 11:

Dringendstes Problem nach Parteien: CVP

"Welches ist Ihrer Meinung nach das dringendste Problem, das die schweizerische Politik heute lösen soll?"

in % Wahlberechtigter, welche CVP wählen wollen 13 6

Migration, Ausländer, Integration, Asyl und Flüchtlinge 11 10

Krankenkassen und Gesundheitswesen 6 11

Arbeitslosigkeit 9 9

AHV, soziale Sicherheit, Rentenalter, BVG, neue Armut 10 4

EU und Europa 8 4

Umwelt (Klima) 1. Nennung

2

4

Reformen Bund 4 3

Steuern und Finanzen 2. Nennung

5 11

Schulen, Bildung, Forschung 6

5

(Un)Sicherheit, Gewalt, Kriminalität 5

4

Wirtschaftsentwicklung, Konjunktur, Rezession, Inflation 3 2

Familie 4

Löhne, Lohnunterschiede 6 8

Anderes 19

8

weiss nicht/keine Antwort

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 183)

 20

Wenig überraschend und klar überdurchschnittlich sorgen sich die potenziellen

GLP-WählerInnen in erster Linie um die Umwelt und das Klima. Somit gelang

es der GLP sich als zweite Umweltpartei zu etablieren, wobei der Vergleich mit

der Problemlage der GPS-Wählerschaft aufzeigen wird, wo die Unterschiede

der beiden Parteien in der Wahrnehmung der WählerInnen liegen. Die zweit-

grösste Herausforderung ist bei den GLP-WählerInnen die EU - und zwar mit

einer Deutlichkeit, wie bei keiner anderen untersuchten Partei. Ebenfalls über

den Werten der Gesamtwählerschaft kommen Probleme rund um Bildung und

Reformen beim Bund zu liegen. Klar weniger Probleme sieht man in der GLP-

Wählerschaft in Bezug auf wirtschaftliche Grössen: Arbeitslosigkeit, Steuern

und Finanzen, die Wirtschaftsentwicklung und auch Lohnfragen kommen hier

klar unter dem Durchschnitt zu liegen. Probleme rund um Migration werden

von dieser Wählergruppe am wenigsten genannt.

Grafik 12:

Dringendstes Problem nach Parteien: G

L

P

"Welches ist Ihrer Meinung nach das dringendste Problem, das die schweizerische Politik heute lösen soll?"

in % Wahlberechtigter, welche GLP wählen wollen 7 8

Migration, Ausländer, Integration, Asyl und Flüchtlinge 14 3

Krankenkassen und Gesundheitswesen 4 1

Arbeitslosigkeit 5 8

AHV, soziale Sicherheit, Rentenalter, BVG, neue Armut 14 18

EU und Europa 27 9

Umwelt (Klima) 12 6

Reformen Bund 1. Nennung

3

1

Steuern und Finanzen 8 7

Schulen, Bildung, Forschung 2. Nennung

4

(Un)Sicherheit, Gewalt, Kriminalität 2 1

Wirtschaftsentwicklung, Konjunktur, Rezession, Inflation 3

Familie 2

1

Löhne, Lohnunterschiede 5 17

Anderes 10

weiss nicht/keine Antwort

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 54)

 21

Das Themenprofil der GPS-Wählerschaft wird auch klar von Problemen rund

um die Umwelt angeführt und zwar noch deutlicher als jenes der GLP-

Wählerschaft. Ganz im Unterschied zu dieser sorgen sich WählerInnen der GPS

jedoch an zweiter Stelle und klar überdurchschnittlich auch um Arbeitslosigkeit

und die Sozialversicherungen. Die Aufschlüsselung der sozioökonomischen

Profile der Wählerschaften der beiden Öko-Parteien, wird aufzeigen, dass hier

Unterschiede bestehen, die diesen Sachverhalt zu erklären vermögen. Klar

unterdurchschnittlich sorgen sich aber auch die Grünen um Migrationsfragen,

die innerhalb dieser Partei jedoch nichtsdestotrotz auf dem dritten Rang der

Probleme zu liegen kommen. Weiter sorgt man sich weniger als in der

gesamten Wählerschaft um die EU, das Gesundheitswesen, Reformen beim

Bund, Steuern und Finanzen sowie Sicherheit und Gewalt.

Grafik 13:

Dringendstes Problem nach Parteien: GPS

"Welches ist Ihrer Meinung nach das dringendste Problem, das die schweizerische Politik heute lösen soll?"

in % Wahlberechtigter, welche GPS wählen wollen 7

11

Migration, Ausländer, Integration, Asyl und Flüchtlinge 4

9

Krankenkassen und Gesundheitswesen 11 13

Arbeitslosigkeit 7 11

AHV, soziale Sicherheit, Rentenalter, BVG, neue Armut 6

4

EU und Europa 13

30

Umwelt (Klima) 1

Reformen Bund 1. Nennung

3

Steuern und Finanzen 3

4

Schulen, Bildung, Forschung 2. Nennung

1 3

(Un)Sicherheit, Gewalt, Kriminalität 3 2

Wirtschaftsentwicklung, Konjunktur, Rezession, Inflation 4

2

Familie 2 3

Löhne, Lohnunterschiede 13 13

Anderes 3 14

weiss nicht/keine Antwort

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 133)

 22

Das Muster der Problemen bei SP-WählerInnen kommt jenem der

Gesamtwählerschaft klar am nächsten. So ist die SP-Wählerschaft von allen

linken Wählerschaften die einzige Gruppe, die Probleme im Zusammenhang

mit Migration am häufigsten nennt. Die Werte entsprechen dabei fast jenen der

Gesamtwählerschaft. Leicht überdurchschnittlich Probleme bereiten in diesem

Milieu mit der Arbeitslosigkeit, den Sozialversicherungen, der EU, den Steuern

und Finanzen, der Bildung, der Familie und den Löhnen klassisch soziale

Themen. Unterdurchschnittlich sorgt man sich um das Gesundheitswesen,

Reformen beim Bund, Sicherheit und Gewalt.

Grafik 14:

Dringendstes Problem nach Parteien: SP

"Welches ist Ihrer Meinung nach das dringendste Problem, das die schweizerische Politik heute lösen soll?"

in % Wahlberechtigter, welche SP wählen wollen 18 15

Migration, Ausländer, Integration, Asyl und Flüchtlinge 9 8

Krankenkassen und Gesundheitswesen 9 9

Arbeitslosigkeit 11 11

AHV, soziale Sicherheit, Rentenalter, BVG, neue Armut 10 6

EU und Europa 4 8

Umwelt (Klima) 1. Nennung

3 3

Reformen Bund 2 9

Steuern und Finanzen 2. Nennung

3 5

Schulen, Bildung, Forschung 3 2

(Un)Sicherheit, Gewalt, Kriminalität 3 4

Wirtschaftsentwicklung, Konjunktur, Rezession, Inflation 5 2

Familie 4 4

Löhne, Lohnunterschiede 6 8

Anderes 10 6

weiss nicht/keine Antwort

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 265)

 2.2.3. Parteienkompetenz zur Problemlösung

Die Frage nach den dringendsten Problemen der Wählerschaft wurde mit der

Frage nach der Kompetenz der Parteien, diese zu lösen, abgerundet. Als priori-

tär werden dabei die ersten sechs von der Gesamtwählerschaft genannten

Probleme erachtet. Diese Betrachtungsweise erlaubt eine weitere Zuspitzung

des Themenprofils der Parteien und zeigt als Erstes auf, dass sowohl bei der

GPS als auch bei der SVP ein Thema dominiert, während das Themenprofil der

übrigen Parteien weniger deutlich gefärbt ist. So schreiben 63 Prozent der

Wahlberechtigten mit bestimmter Teilnahmeabsicht der SVP zu, dass sie am

meisten zur Lösung der Probleme im Zusammenhang mit Migrationsfragen

beiträgt. Am Rande wird von zehn Prozent der Wahlberechtigten auch der SP

und der FPD (6%) eine Problemlösungskompetenz auf diesem Gebiet zuge-

schrieben. Daneben fallen die GPS, die GLP, die CVP und die BDP mit je nur

gerade einem Prozent deutlich ab.

In Bezug auf Probleme im Gesundheitswesen wird mit 31 Prozent am ehesten

der SP zugeschrieben, dass sie etwas zur Lösung des Problems beitragen

kann. Eine relative Mehrheit von 43 Prozent der teilnahmewilligen Wählerschaft

glaubt jedoch, dass alle Parteien gleich zur Lösung der Probleme im Gesund-

heitswesen beitragen. Zu je zehn Prozent werden auch der FDP und der CVP

23

Kompetenzen in diesem Bereich zugeschrieben, am Rande auch der GPS (3%),

der BDP und der SVP (je 1%).

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Zusammenhang mit der Arbeitslosigkeit: Eine

relative Mehrheit der Teilnehmenden (39%) sehen bei allen Parteien gleicher-

massen eine Kompetenz zur Problemlösung, 31 Prozent am ehesten bei der

SP, 11 Prozent bei der SVP, 10 Prozent bei der FDP und 7 Prozent bei der CVP.

Den beiden jüngsten Mitte-Parteien (GLP und BDP) wird in diesem Bereich

keine Kompetenz zugeschrieben.

Mit Fragen der sozialen Sicherheit und der Sozialwerke betrauen die Wahlbe-

rechtigten in einer relativen Mehrheit am ehesten die SP (35%). Die FDP

geniesst mit 14 Prozent noch eine mittlere Zuschreibung von

Problemlösungskompetenz in Bezug auf die Sozialwerke, genau wie die SVP

mit 12 Prozent. Nur gering fällt der Anteil der CVP mit sechs Prozent aus.

In Problemen rund um die EU und Europa vertraut man, wohl aus ganz unter-

schiedlichen Gründen, am ehesten der SVP (30%) und der FDP (26%) oder

allen Parteien gleichermassen (20%). Mittlere Problemlösungskompetenz wird

in Europa-Fragen der SP zugeschrieben (14%) und nur geringe der CVP (6%)

sowie der BDP (3%).

Die Umweltfrage schliesslich verleiht die Wählerschaft eindeutig der GPS die

höchste Themenkompetenz (58%). Nicht zu verachten sind auch die 12 Prozent

der GLP, die sich somit hier als erster Konkurrent neben der SP (11%) in dieser

Frage behaupten kann. Nur klar minderheitlich werden der SVP und der FDP (je

3%) sowie der CVP (2%) Lösungen auf diesem Gebiet zugetraut.

Grafik 15:

Filter Kompetenz der Parteien in prioritären Themen

"Reden wir jetzt vom Problem, das für Sie das Dringendste ist, also das Sie zuerst genannt haben. Welche Partei trägt Ihrer

Meinung nach am meisten zur Lösung des Problems bei?"

in % Wahlberechtigter, die bestimmt teilnehmen und für die das Thema prioritär ist

Migration, Ausländer, Integration, 10 1 6 63

17 1

1

1

Asyle&Flüchtlinge

Krankenkassen und 10 1

31 3 1 43 1

10

Gesundheitswesen 10 11

31 2 39 7

Arbeitslosigkeit

AHV, soziale Sicherheit, 2

35 6 14 12

31

Rentenalter, BVG, neue Armut 26 30

14 3 1 20 6

EU und Europa 58 12 3 8 2 3 3

11

Umwelt (Klima)

SP GPS GLP Andere Parteien keine Partei / alle gleich CVP BDP FDP SVP

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 1229)

 Diese Art der Betrachtung der Problemlösungskompetenz der einzelnen Par-

teien nach Themen lässt eine weitere spannende Interpretation zu: Gemessen

an ihren aktuellen Wähleranteilen vermögen, mit Ausnahme der CVP und der

BDP, alle Parteien in Sachfragen mehr als ihre Stammwählerschaft zu überzeu-

24

gen. Der SVP gelingt dies in Migrations- und Europafragen, der SP in Bezug auf

soziale Sicherheit, Arbeitslosigkeit sowie Gesundheitsfragen. Den Grünen und

der GLP reicht es nur in Umweltfragen, dafür aber mit deutlichem Abstand. Die

quantitative Verdichtung dieser Aussagen bildet nachfolgende Grafik 16, wel-

che die durchschnittliche Themenkompetenz der Parteien in den sechs prioritä-

ren Themen aufzeigt. Da die SP gleich in drei Sachfragen hohe Werte erzielt, ist

sie die Partei mit der aktuell höchsten Themenkompetenz (22%), dicht gefolgt

von der SVP mit durchschnittlich 20 Prozent. Die FDP erreicht insbesondere

Dank der zugeschriebenen Kompetenz in EU-Fragen 11.5 Prozent, die CVP we-

gen geringer zugeschriebener Themenkompetenz in den ausgewählten The-

men gerade durchschnittlich 5.3 Prozent. Die GPS kann sich dank der hohen

zugeschriebenen Themenkompetenz in Umweltfragen mit durchschnittlich 10.3

Prozent im Mittelfeld einreihen, GLP (2.5%) und BDP (0.3%) finden sich auf

den Schlussrängen betreffend der untersuchten Themen.

Die gute Bilanz der SP betreffend ihrer Themenkompetenz über verschiedene

Themenfelder hinweg, wird durch den Umstand, dass sie ausgerechnet beim

dringlichsten Problem ihrer Wählerschaft (Migration) verglichen mit den

anderen prioritären Themen am schlechtesten abschneidet, etwas getrübt.

Grafik 16:

Filter durchschnittliche Kompetenz der Parteien in prioritären

Themen

"Reden wir jetzt vom Problem, das für Sie das Dringendste ist, also das Sie zuerst genannt haben. Welche Partei trägt Ihrer

Meinung nach am meisten zur Lösung des Problems bei?"

% Wahlberechtigter, die bestimmt teilnehmen wollen (gemittelte Werte)

in Andere Parteien

1.5 SVP

20.0

keine Partei/alle gleich

26.6

BDP

0.3 SP

GLP 22.0

2.5 GPS

10.3 CVP FDP

5.3 11.5

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 1229)

 Wahlentscheidungen sind komplexe Prozesse, bei denen Sachfragen und

Themen kurzfristig wichtige Pfeiler sein können; aber sie sind nicht alleinent-

scheidend. Auch Personen, die im folgenden Kapitel behandelt werden sollen,

können Wahlentscheidungen kurzfristig massgeblich beeinflussen. 25

2.3. Personen und Wahlkampf

2.3.1. Glaubwürdigkeit der Parteipräsidenten

Das Glaubwürdigkeits-Rating wird angeführt vom Parteipräsidenten der FDP,

Fulvio Pelli. Dieser wird von 55 Prozent der Wählerschaft mit bestimmter

Teilnahmeabsicht als glaubwürdig eingestuft, während ihn minderheitliche 15

Prozent als unglaubwürdig taxieren und 16 Prozent keine gefestigte Meinung

betreffend seine Person haben. Bei dieser hohen Glaubwürdigkeit ist Fulvio

Pelli gleichzeitig die Person, die am wenigsten bekannt ist: Neun Prozent der

teilnehmenden Wählerschaft kennen ihn nicht. Auf dem zweiten Rang folgt mit

Christophe Darbellay, CVP-Parteipräsident, ein weiterer Exponent der politi-

schen Mitte. Mit Glaubwürdigkeitsvoten von 51 Prozent wird auch er mehrheit-

lich positiv eingeschätzt. Lediglich eine relative Mehrheit von 49 Prozent hält

den SP-Parteipräsidenten Christian Levrat für glaubwürdig. Das Schlusslicht

bildet schliesslich Toni Brunner, wobei der SVP-Parteipräsident von immerhin

einem Drittel der bestimmt teilnehmenden Wahlberechtigten als unglaubwür-

dig eingestuft wird. Nichtsdestotrotz wird auch er von einer relativen Mehrheit

von 44 Prozent als glaubwürdig eingeschätzt. Somit sind die beiden Expo-

nenten der Pol-Parteien (Brunner und Levrat) zwar leicht bekannter als jene der

Mitte Parteien (Darbellay und Pelli), jedoch werden die Exponenten der Mitte-

Parteien CVP und FDP als glaubwürdiger eingestuft.

Grafik 17:

Filter Glaubwürdigkeit Parteipräsidenten

"Ich nenne Ihnen jetzt einige Namen von PolitikerInnen in der Schweiz. Sagen Sie mir bitte jedes Mal, wie glaubwürdig dieser

Politiker oder diese Politikerin für Sie ist. -5 bedeutet dabei, dass die Person für Sie gar nicht glaubwürdig ist, und +5, dass sie

sehr glaubwürdig ist. Mit den Zahlen dazwischen können Sie Ihre Meinung abstufen. Wenn Sie die Personen nicht kennen,

sagen Sie das ruhig."

in % Wahlberechtigter, die bestimmt teilnehmen wollen

Fulvio Pelli 55 16 15 9 5

4

Christophe Darbellay 51 19 19 7

Christian Levrat 49 16 23 8 4

Toni Brunner 44 13 33 7 3

glaubwürdig weder noch nicht glaubwürdig kenne Person nicht weiss nicht/keine Antwort

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 1229)

 Die Einschätzung der Glaubwürdigkeit der Parteipräsidenten innerhalb der ei-

genen Parteiwählerschaft zeigt ein etwas anderes Bild. Toni Brunner und Fulvio

Pelli sind in ihren eigenen Reihen punkto Glaubwürdigkeit quasi gleichauf;

beide erhalten von 79 Prozent der teilnehmenden SVP- respektive FDP-Wähler-

schaft positive Einschätzungen zu ihrer Glaubwürdigkeit. Auch Christian Levrat

und Christophe Darbellay erhalten zu je 70 Prozent mehrheitlich positive Voten.

26

Grafik 18:

Filter Glaubwürdigkeit Parteipräsidenten bei eigener

Parteiwählerschaft

"Ich nenne Ihnen jetzt einige Namen von PolitikerInnen in der Schweiz. Sagen Sie mir bitte jedes Mal, wie glaubwürdig dieser

Politiker oder diese Politikerin für Sie ist. ? 5 bedeutet dabei, dass die Person für Sie gar nicht glaubwürdig ist, und +5, dass

sie sehr glaubwürdig ist. Mit den Zahlen dazwischen können Sie Ihre Meinung abstufen. Wenn Sie die Personen nicht

kennen, sagen Sie das ruhig."

in % Wahlberechtigter, welche die jeweilige Partei wählen wollen

Fulvio Pelli 3 6

79 9 3

Toni Brunner 5

79 8 4 4

Christian Levrat 7

70 12 3 8

Christophe Darbellay 4

70 13 4 9

glaubwürdig weder noch nicht glaubwürdig kenne Person nicht weiss nicht/keine Antwort

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 1229)

 2.3.2. Bester Wahlkampf

Nach Meinung der bestimmt teilnehmenden Wahlberechtigten der Schweiz,

die überhaupt eine Einschätzung abgeben können (39% weiss nicht/keine

Angabe), ist es die SVP, die aktuell und mit Abstand den besten Wahlkampf

führt (35%). Gefolgt wird sie von der FDP, der fünf Prozent der Teilnahmewilli-

gen den besten Wahlkampf zuschreiben. Vier Prozent finden den Wahlkampf

der SP am besten, drei Prozent jenen der CVP. Je ein Prozent der teilnehmen-

den Wählerschaft attestieren den Grünen, den Grünliberalen und der CVP den

besten Wahlkampf und zehn Prozent keiner Partei. 27

Grafik 19:

Bester Wahlkampf

"Wer macht Ihrer Meinung nach den besten Wahlkampf 2011?"

% Wahlberechtigter, die bestimmt teilnehmen wollen

in SVP

weiss nicht/keine Angabe 35

39 SP

mehrere Parteien gleich 4

2 FDP

keine Partei 5

GPS

GLP

10 CVP

BDP 1

1

1 3

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n = 1229)

 Dieser Vorsprung der SVP in Bezug auf die Wahlkampfführung bestätigt sich

über alle Parteiwählerschaften hinweg, wie die folgende differenzierte Betrach-

tungsweise aufzeigt: Bei den Wählerschaften sämtlicher Parteien schätzen

relative Mehrheiten den SVP-Wahlkampf als den besten ein. Der parteieigene

Wahlkampf wird einzig von den Wählerschaften der SP, der GPS und der FDP

als annähernd gleich gut wie jener der SVP eingeschätzt. Die Wählerschaften

der übrigen Parteien sind sich der Schwächen des Wahlkampfs der eigenen

Partei gegenüber der SVP scheinbar bewusst. 28

Grafik 20:

Bester Wahlkampf nach Parteibindung

"Wer macht Ihrer Meinung nach den besten Wahlkampf 2011?"

in % Wahlberechtigter mit jeweiliger Parteipräferenz, die bestimmt teilnehmen wollen weiss nicht/keine

Angabe

22 mehrere Parteien gleich

28

32 38

45 1

47 keine Partei

50 4

1 2 59

1 BDP

15

15 4 GLP

2 9

4 12

6

2 10 2

9 GPS

5

2

12

1 2

4 16 3

1 21

1 69 CVP

1 19

2

19 16 2 FDP.Die Liberalen

2

37 37

2 2

2

28 24 SP

19 17 14 SVP

SP GPS GLP CVP BDP FDP.Die SVP keine

Liberalen Partei

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (n=855)

 2.3.3. Schwerpunktthema: Die Situation des Schweizer Mittelstandes

Für den Januar 2011 wurde das Schwerpunktthema "Schweizer Mittelstand" ins

Zentrum gerückt, da dieses Thema im Vorwahlkampf und allgemeiner in der

politischen Agenda als wahrer Dauerbrenner präsent ist. Konkret wurden vier

Aussagen zur Situation des Schweizer Mittelstands den Befragten zur Ein-

schätzung vorgetragen.

Interessant ist dabei besonders der Umstand, dass sich durchschlagende 87

Prozent der Schweizer Wahlberechtigten selbst dem Mittelstand zugehörig

fühlen. Dies verweist auf eine gewisse Schwammigkeit des Begriffes an und

für sich, die auch öffentlichen Statistiken zu dieser Gesellschaftsgruppe zu

schaffen macht. Einerseits ist nicht klar definiert, ob sich Mittelständigkeit über

das Einkommen von Individuen oder Haushalten, die ausgeübte Berufstätigkeit

oder soziale Herkunft definiert. Andererseits ist dieser Begriff stark subjektiv

geprägt und hat über die Zeit einen neuen Inhalt erhalten. So gibt es denn auch

tatsächlich keine offizielle Definition des Begriffs "Mittelstand" und auch Zahlen

dazu sind nicht einfach zu finden. Dies erklärt die hohe Zustimmung der Wahl-

berechtigten zur Zugehörigkeit zum Mittelstand in der Schweiz. Eine gängige

1

, wobei der Mittelstand

Definition geschieht über das Äquivalenzeinkommen

als die mittleren 60 Prozent der Bevölkerung anhand dieses Äquivalenzein-

kommens definiert wird. Somit besteht der Mittelstand per Definition immer

aus 60 Prozent der Bevölkerung. Diese Definition soll lediglich der Unterstrei-

chung des ausserordentlich hohen gemessenen Wertes von 87 dienen.

Mit der Aussage, dass der Schweizer Mittelstand verarme, sind 69 Prozent der

Befragten sehr oder eher einverstanden, 26 Prozent sind gegenteiliger Mei-

1 Das Äquivalenzeinkommen wird berechnet anhand des verfügbaren

Haushaltseinkommens (Gesamteinkommen des Haushalts abzüglich Steuern,

Sozialversicherungsbeiträge, Krankenkassenprämien für Grundversicherung

und andere Zwangsabgaben). 29

nung. Weiter glauben mehrheitliche 62 Prozent der Schweizer Wahlberechtig-

ten, dass ein breiter Mittelstand politische Extreme verhindere. 14 Prozent sind

in dieser Frage unsicher, 24 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Schliesslich

unterstützen 62 Prozent der Befragten die Aussage, dass die Politik den Mit-

telstand vernachlässige.

Grafik 21:

Aussagen zur Situation des Schweizer Mittelstandes

"Wir haben einige Aussagen gesammelt, die man über die Situation des Mittelstandes in der Schweiz immer wieder hören

kann. Sagen Sie mir bitte, ob Sie damit jeweils sehr einverstanden, eher einverstanden, eher nicht einverstanden oder

überhaupt nicht einverstanden sind."

"Ich gehöre zum Mittelstand."

Zugehörigkeit Mittelstand

"Der Schweizer Mittelstand verarmt."

Mittelstand verarmt "Eine breite gesellschaftliche Mitte verhindert politische Extreme."

Breiter Mittelstand verhindert Extreme

"Die Politik vernachlässigt den Mittelstand."

Politik vernachlässigt Mittelstand

in % Wahlberechtigter

Zugehörigkeit Mittelstand 50 37 1 9 3

Mittelstand verarmt 34 35 5 20 6

Breiter Mittelstand 27 35 14 15 9

verhindert Extreme

Politik vernachlässigt 26 36 7 22 9

Mittelstand

sehr einverstanden eher einverstanden weiss nicht/keine Antwort

eher nicht einverstanden überhaupt nicht einverstanden

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (N = 2011)

 Besonders interessant in Bezug auf den gewählten Themenfokus dieser Welle

des Wahlbarometers ist der Umstand, dass die Zugehörigkeit zum Mittelstand

weder nach Einkommen noch nach Parteizugehörigkeit divergiert: So zählen

sich 84 Prozent der Wählerschaft mit einem Einkommen unter CHF 3'000

ebenso zum Mittelstand, wie es 83 Prozent mit einem Einkommen von über

CHF 11'000 tun. Die grössten Zugehörigkeitswerte finden sich aber mit 93 und

87 Prozent tatsächlich in den mittleren beiden Einkommensklassen (CHF 5'000

bis 9'000). Die Aussage, der Mittelstand verarme, wird am deutlichsten von

den untersten beiden Einkommensgruppen unterstützt (bis CHF 3'000: 74%

Zustimmung, CHF 3'000 bis 5'000: 73%). Am wenigsten deutlich (57%) von

der höchsten Einkommensklasse. Die Meinungen gehen aber auch hier nur

minim auseinander. Gerade umgekehrt verhält es sich in Bezug auf die Aus-

sage, dass ein breiter Mittelstand politische Extreme verhindere: Bei der Wäh-

lerschaft mit den tiefsten Einkommen findet diese Aussage keine mehrheitliche

Unterstützung (47%), während jene mit den höchsten Einkommen diese Aus-

sage zu 74 Prozent stützen. Dass die Politik den Mittelstand vernachlässige,

bekräftigen wiederum alle Einkommensgruppen mehrheitlich und geschlossen;

die unteren drei Einkommensklassen sind dabei minim dezidierter mit dieser

Aussage einverstanden (63%, 65%, 64%) als die oberen drei (60%, 61%,

60%). Mit Ausnahme der letzten Aussage (Politik vernachlässigt Mittelstand)

sind alle festgestellten Zusammenhänge zwischen den Aussagen zum Mit-

telstand und dem Einkommen signifikant, wenn auch nicht stark divergierend.

30

Grafik 22:

Aussagen zur Situation des Schweizer Mittelstandes

nach Einkommen

"Wir haben einige Aussagen gesammelt, die man über die Situation des Mittelstandes in der Schweiz immer wieder hören

kann. Sagen Sie mir bitte, ob Sie damit jeweils sehr einverstanden, eher einverstanden, eher nicht einverstanden oder

überhaupt nicht einverstanden sind."

"Ich gehöre zum Mittelstand."

Zugehörigkeit Mittelstand

"Der Schweizer Mittelstand verarmt."

Mittelstand verarmt "Eine breite gesellschaftliche Mitte verhindert politische Extreme."

Breiter Mittelstand verhindert Extreme

"Die Politik vernachlässigt den Mittelstand."

Politik vernachlässigt Mittelstand

in % Wahlberechtigter, die sehr oder eher einverstanden sind 84

81 bis CHF 3'000

93

Zugehörigkeit Mittelstand 89

87

83 CHF 3-5'000

74

73

70 CHF 5-7'000

Mittelstand verarmt 70

72

57 CHF 7-9'000

47 60

Breiter Mittelstand 65

67 CHF 9-11'000

verhindert Extreme 60 74

63 über CHF

65

Politik vernachlässigt 64 11'000

60

Mittelstand 61

60

SRG SSR/gfs.bern, Wahlbarometer 2011, 2. Welle, 10. – 22. Januar 2011 (N = 2011)

 Die parteipolitische Analyse der Aussagen zeigt ein sehr ähnliches Muster: Der

Zusammenhang zwischen den einzelnen Aussagen und der Parteibindung ist

für alle Aussagen signifikant, die Einschätzungen differieren aber nur in Aus-

nahmefällen wirklich stark.

Die Zugehörigkeit zum Mittelstand attestieren sich CVP- und FDP-WählerInnen

(CVP: 93%, FDP: 89%) am deutlichsten, GPS- und BDP-WählerInnen am we-

nigsten (GPS: 78%, BDP: 83%). Die Ansicht, dass der Mittelstand verarmt,

wird über alle Parteien hinweg mehrheitlich geteilt; am klarsten von der SVP-

Wählerschaft (71%), am schwächsten von der FDP-Wählerschaft (65%). Eben-

falls von allen Parteianhängerschaften mehrheitlich unterstützt wird die Aus-

sage, dass ein breiter Mittelstand politische Extreme verhindere; am schwächs-

ten, aber auch mehrheitlich, sind SVP-AnhängerInnen mit dieser Aussage ein-

verstanden (58%). Die deutlich grösste Unterstützung erfährt sie im Umfeld der

BDP (83%). Eine Vernachlässigung des Mittelstandes durch die Politik sehen

insbesondere WählerInnen der BDP (66%) und der SVP (64%) als gegeben,

etwas weniger ausdrücklich jene der SP (57%) und FDP (59%). 31


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Atreyu

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DETTAGLI
Corso di laurea: Corso di laurea in scienze internazionali e istituzioni europee
SSD:
Università: Milano - Unimi
A.A.: 2011-2012

I contenuti di questa pagina costituiscono rielaborazioni personali del Publisher Atreyu di informazioni apprese con la frequenza delle lezioni di Politica comparata e studio autonomo di eventuali libri di riferimento in preparazione dell'esame finale o della tesi. Non devono intendersi come materiale ufficiale dell'università Milano - Unimi o del prof Giuliani Marco.

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