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Mignon

Dieses Gedicht ist in dem Prosawerk Wilhelm Meisters Lehrjahre von Johann Wolfgang von Goethe enthalten; der Autor begann 1777 mit diesem Werk sich zu beschäftigen, nennt ihm Wilhelm Meister theatralische Sendung und schrieb das I bis III Buch, 1783 schrieb er das IV, 1784 das V und 1785 das VI, wahrend das VII Buch wurde durch die Italienreise verfasst. 1794 nahm Goethe das Werk wieder auf und ändert den Titel. Man kann also sagen dass ein Fragment wird in der letzten Fassung verarbeitet: der ursprüngliche „Künstlerroman“ wird ein „Bildungsroman“, dessen Ziel die Schilderung der Entwicklung einer Individualität ist. Die Lehrjahre verfolgen nämlich den Lebensweg eines jungen Menschen, Wilhelm Meister, der sich in einem objektive Kontext der Geschichte und der gesamte Kultur zu einer reifen Persönlichkeit entwickelt. Mignon ist ein geheimnisvolles Mädchen, die Wilhelm aus einen Seiltänzer befreit, und ist immer eine andere Figur begleitet: der Harfner. Die beide stehen für eine naive, ursprüngliche Kunst, sie sind Repräsentationen eine untersehende poetische Welt. Diese Figuren wollen sich in der Kunst realisieren und seinem inneren Dämon nachgeben aber sie hören nur auf das Stimme ihres Herzens und können seine Stelle in der Gesellschaft nicht finden. Beide werden nämlich von einem tragischen Schicksal verfolgt, von Wahnsinn und Tod verurteilt, weil sie die Ideale des Sturm und Drang symbolisieren. Sie sind zu einem tragischen Ende verurteilt.
Mignon ist die Tochter des Harfners, ein italienischer Mönch, der von dem Süden in den Norden verschlagen wurde und der eigentlich ihren leiblichen (=naturale) Vater ist. Die dramatische Schicksal dieser Figur ist, dass Mignon die inzestuöse Tochter des Mönches und seinem Schwester ist. So in dieser Figur gibt es die Mythologisierung der stürmischen Meinungen: der Harfner sieht dieses Liebe zu seiner Schwester nicht als Schuld, weil er glaubt dass die Natur diese Liebe möglich gemacht hat. Diese Verbindung wird auch durch das Bild der Lilie, Symbol für Reinheit, ausgedrückt: aus der Lilie sind 2 Blüten gewachsen, so der Stiel (=stelo) Symbol für die Mutter ist: die Geschwister sind durch die Lilie verbunden; aber die Gesellschaft akzeptiert sie und Mignon nicht, weil die Mädchen der Frucht eines Inzestes ist. Mignon hält immer eine Lilie in ihren Händen.
Mignon ist diejenige, die das Lied singt. Sie ist eine geheimnisvolle Figur, weil sie nicht richtig sprechen sondern nur singen kann; ihre Sprache ist ein Gemisch von Französisch, Italienisch und Deutsch, dass Niemand versteht aber sie macht sich verständlich wenn sie singt. Sie kommt aus dem Süden, von dem sie vorsingt und nach dem sie sich sehnt. Das Naturparadieses beschreibt, gilt als Bild der Inzest: diese Liebe hat sich in der Natur vollzogen und Mignon wurde dort empfangen. Das Mädchen hat eine zweideutige Natur: sie trägt die Männlichkeit wie auch die Weiblichkeit in sich, sie ist eine Figur, die die Gegensätze der Gesellschaft ausdrückt. Mit dieser Figur wollte Goethe das Ideal dieser Roman erklären: die Entwicklung einer einzige Persönlichkeit in der Gesellschaft. Mignon ist die Verneigung des Weimarer Humanismus. Sie träumt eine klassische Vollkommenheit zu erreichen aber sie ist nicht in der Lage. Das ist ein Lied des Heimwehs und des Sehnsuchts, das vielleicht die Sehnsucht Goethes nach Italien widerspiegelt, obwohl als Goethe diese Ballade schrieb, war er noch nicht in Italien gewesen.
Das Lied, das abgelöst im Roman und nicht innerhalb einer Erzählung steht, unterbricht die Zeitkontinuität. Das Gedicht besteht aus 3 gleichlangen Strophen mit Reimschema AABBCDD.
In der 1. Strophe wird einen südländischen Frühling dargestellt. Myrte und Lorbeer sind ein Paar aus der literarischen Tradition: der Lorbeer ist Symbol der Dichter und des Kriegers, während die Myrte steht für die Sinnlichkeit und Leidenschaft der Liebe. Wir finden diese Pflanzen auch im Virgil. In dieser Strophe stellen Zitronen und Orangen eine paradiesischen südländischen Landschaft dar. Himmel und Wind sind mit Myrten und Lorbeer verbunden und zusammen bilden sie einen Chiasmus.
Die 2. Strophe stellt die Kunst in diesem Land dar. Vielleicht bezieht sich Goethe auf die Villa Rotonda von Palladio. Es gibt einen Gegensatz zwischen den perfekten und glücklichen klassischen Kunstwerken und den unglücklichen Menschen.
Die 3. Strophe ist außerhalb des Kontextes der ersten beiden, es gibt keine Kontinuität, das Gefühl wird unterbrochen. Es gibt eine Beschreibung etwas Atypisches für eine südliche Landschaft. Es kann den Weg von Deutschland nach Italien über die Alpen sein, durch den Brenner-Pass. Mignon wurde entführt und möglicherweise ist es ihre Fahrt nach Norden. Das Wort „Drachen“ zeigt, dass dieser Weg über die Alpen von Goethe selbst als etwas fürchterliches gesehen war. Mignon ist in Italien zu Hause, wo es eine klassische und Antike Tradition gibt. Sie schätzt die subjektive Kunst die aus dem Herz kommt. Sie wendet sich im Vers 21 an ihren Vater, dieses Wort bezeichnet die mögliche Beziehung zwischen Mignon und Wilhelm, der auch ihren Geliebter (Vers 7) und ihren Beschützer (Vers 14) ist. Die Imperativform am Ende jeder Strophe gilt als Steigerung im Charakter. Brut und Flut entgegen Wolkensteg und Weg symbolisieren das Chaos.

Johann Wolfgang Goethe hat eine Art der Italienwahrnehmung begründet, die das Interesse der Deutschen an diesem Land lange und auch heute entscheidend beeinflusst. Das Gedicht wurde nämlich von vielen deutschen Komponisten vertont, wie zum Beispiel Beethoven und Schubert. Italien erscheint seit Goethe als eine Art „Gelobtes Land“, was in Mignons berühmtem Lied aus zum Ausdruck kommt: „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn...?“. Dieses schon einige Jahre vor Goethes Italienerlebnis entstandene Lied hat in der Folgezeit nicht nur auf die romantischen Künstler Signalwirkung ausgeübt, sondern darf seitdem allgemein als Hymne der deutschen Italiensehnsucht gelten.

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