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DIE TRÜMMERLITERATUR

1945 bedeutet für Deutschland einen Nullpunkt: der Krieg hat alles dem Erdboden gleichgemacht und jetzt beginnt die Zeit der Frauen. Die Männer sind nicht zu Hause und es gibt nur die Frauen und die Kindern. Also sie müssen die Wohnungen und die Hauser, die in Trümmer lagen, wieder aufbauen. Das Jahr 1945 bedeutet nicht nur bedingungslose Kapitulation des Heers und Zusammenbruch für die deutsche Wirtschaft, Industrie und Politik, sondern auch Nullpunkt für die deutsche Sprache und Kultur.

KAHLSCHLAGLITERATUR
In dieser Situation eines radikalen Nullpunkts und eines Neuanfangs musste der Schriftsteller einen symbolischen „Kahlschlag“ in der Literatur versuchen. Eine beliebte Gattung des Kahlschlags war die Kurzgeschichte, die sich unter dem Einfluss der amerikanischen „short story“ von Hemingway, Steinbeck und Faulkner entwickelte.

Der typische Zuge der deutschen Novelle sind:
 der allwissende Erzähler
 die anspruchsvolle Sprache
 die geschlossene Struktur
 die Zeit als Grunddimension
 die Absicht des Autors, das Merkwürdige, eine „unerhörte Begebenheit“ zu erhellen
Im Gegenteil sind die typische Zuge der Kurzgeschichte:
 der Erzähler nimmt die Gesichtspunkt der Figuren ein und weiß nicht mehr als diese Figur; er ist nicht allwissenden, also er registriert nur, was passiert ist
 die Sprache ist einfach und alltagsnah; Wörter und Sätzen werden wiederholt
 man findet oft Satze ohne Verbindung, ohne Übergange oder Bruchstucke von Sätzen
 es fehlen präzise Zeit- und Ortsangaben
 die Struktur ist offen ; oft fehlen es ein Anfang und ein Ende
 man konzentriert sich auf ein Augenblicksgeschehen
 die Hauptfiguren haben keine psychologische Entwicklung
 es gibt keine Handlung
 die Geschichte hat eine innere Bedeutung, die der lese verstehen muss
 sie lasst verschiedene Deutungsmöglichkeiten zu

WOLFGANG BORCHERT
Er wurde 1921 als Sohn eines Lehrers in Hamburg geboren. 1941 musste er zu Ostfront gehen. Nach dem Ende des Krieges war er kurze Zeit als Schauspieler und Regieassistent tätig, aber seine Gesundheit war durch die Kriegserfahrung so tief erschüttert worden, dass er 1947 in einem Sanatorium gestorben ist.

 DAS BROT
Diese Geschichte spielt nachts in der Wohnung von zwei Eheleuten, die seit 39 Jahren verheiratet sind. Die Geschichte kreist um die Figur der Frau. Nach 39 Jahren Ehe kann sie nicht ertragen, dass ihr Mann sie wegen einer Scheibe Brot anlügt. Sie zeigt als eine starke, sichere, selbstbewusste und liebende Ehefrau, die all ihre Eigenschaften zu Hilfe ruft, um ein große Enttäuschung zu überwinden.

Der Mann ist dagegen schwach, unsicher, greift zur Heimlichtuerei, um seine Anwesenheit in der Küche zu rechtfertigen. Offen bleibt die Frage, warum er nicht die Wahrheit sagt!
Die Tragik der Geschichte bestehet gerade in der Tatsache, das die Aufrichtigkeit eine langen Beziehung unter bestimmten historischen Lebensumständen wegen einer Scheibe Brot ins Schwanken gerät. Beide Gesprächspartner sind verlegen. Die Struktur ist sehr einfach, der Text besteht fast ausschließlich aus kurzen Hauptsätzen und die Sprache ist Alltagssprache, reich an Wiederholungen. Durch diese Private Geschichte gelingt es Borchert die Grundsituation einer ganzen Epoche zu erhellen: die Notsituation, das Leiden unter der Armut und die Enttäuschungen eines fehlgeschlagenen Neuanfangs, die Fragwürdigkeit aller bisherigen Sicherheiten und werte, die Labilität aller Beziehung, selbst der Liebe.

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